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|  Minikurs Islam
(c) Orientdienst
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Was Weltmission ist und wieso sie auch heute wichtig ist, besprechen wir in diesem Bereich des Evangeliumsnetzes. Dieser Bereich wurde von Dr. Andreas Bartels, Campus für Christus, gestaltet. 
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Die Schiiten

 Ausgangssituation
Nachdem Mohammed unerwartet rasch am 8.6. 632 gestorben war,
ohne eine Nachfolgeregelung getroffen zu haben, bildeten sich in
der jungen muslimischen Gemeinde hierzu unterschiedliche Positionen heraus.
Daraus folgte die geschichtlich und theologisch folgenschwerste Spaltung
des Islams: "Sunniten" und "Schiiten. Mit "Schiiten" sind die Anhänger
Alis (shi'at Ali = "Partei" des Ali), des Cousins und Schwiegersohns
Mohammeds gemeint, die als Nachfolger Mohammeds einen direkten Abkömmling
des Propheten forderten, während die sunnitische Mehrheit zwar auch
einen Nachfolger aus Mohammeds Stamm, den Quraysh verlangte, aber gleichzeitig
dessen Wahl durch einen Rat (arab. sh ra) und seine öffentliche Huldigung
(arab. bay'a) forderte.
Ringen um die Macht
Nach Meinung der Schiiten konnte nur auf einem Verwandten Mohammeds
die Segenskraft des Propheten liegen. Außerdem, so argumentierten
die Schiiten, habe Gott selbst Ali zum Nachfolger auserwählt und dies
Mohammed vor seinem Tod mitgeteilt, eine Ansicht, die Sunniten nicht
teilten. Da alle leiblichen Söhne Mohammeds bereits vor ihm verstorben
waren, wären die nächsten leiblichen Verwandten Mohammeds seine
Enkel al-Hasan und al-Husain gewesen, die allerdings beim Tod Mohammeds
noch Kinder im Alter von etwa 6 und 8 Jahren waren. Daher bestimmten die
Schiiten Mohammeds Schwiegersohn Ali zum Anwärter auf das Kalifat.
Ali konnte sich jedoch nicht durchsetzen. In seiner Abwesenheit wurde
noch 632 Abu Bakr zum ersten Kalifen (regierte 632-634 n. Chr.)
gewählt, danach folgten Umar (634-644) und Uthman (644-656).
Erst im Jahr 656 kam Ali (656-661) an die Macht. Nach schiitischer
Auffassung waren die drei ersten Kalifen "unrechtmäßige" Kalifen
und ihre Wahl eine schwere Sünde. Daher nahm die Schia von Anfang
an eine ablehnende Haltung gegenüber den sunnitischen Kalifen-Dynastien
der Umayyaden und Abbasiden ein. Die ersten drei Kalifen werden bei schiitischen
Feierlichkeiten verflucht.
Geschichte des Leidens
Nachdem Ali 661 ermordet worden war, versuchten die Schiiten erneut,
die Macht an sich zu reißen. Der Prophetenenkel al-Hasan erklärte
jedoch seinen Verzicht auf das Kalifat, und al-Husain fiel im Jahr 680
in der berühmten Schlacht von Kerbela im heutigen Irak, womit alle
direkten männlichen Nachfahren Mohammeds ausgelöscht waren. Al-Husain
wurde zum Prototyp des schiitischen Märtyrers. Im Gedenken an Kerbela
begehen die Schiiten am 10. Tag des Monats Muharram, dem Ash ra-Tag, umfangreiche
Trauerfeierlichkeiten mit Prozessionen und Geißlergruppen. Wer bei
den Passionsspielen und Umzügen Tränen für al-Husain vergießt,
erhält Teil an seiner Erlösung, die er durch sein Leiden und
seine Fürbitte für die Gläubigen im Gericht erwirkt.
Leiden wird in der Geschichte der Schia zum Leitmotiv, das nach Alis
und al-Husains Tod im - wie Schiiten meinen - Märtyrertod aller schiitischen
Imame (Leiter der islamischen Gemeinschaft) in der Geschichte seine Fortsetzung
findet. Die Gräber von Ali, al-Hasan und al-Husain sind im
schiitischen Volksislam für viele bedeutendere Wallfahrtsorte geworden
als Mekka.
Endzeithoffnung
Nachdem die beiden Prophetenenkel al-Hasan und al-Husain im Kampf um
das Kalifat gescheitert waren, verlagerten die Schiiten ihre Hoffnung auf
Herrschaft auf die Endzeit, in der Mahdi (der "Rechtgeleitete") als Erlöser
sichtbar aus der Verborgenheit wiederkommen und ein Friedensreich aufrichten
werde. Seinem Auftreten werden Sonnen- und Mondfinsternisse, Erdbeben,
Heuschreckenplagen und Wasserfluten vorausgehen. Dann werden sich falsche
Mahdis erheben und Kriege gegeneinander führen. Am Ende sollen Stürme
die Erde reinigen und alle Krankheiten von den wahren Gläubigen nehmen.
Danach soll der wahre Mahdi in Mekka in der Ka'ba erscheinen und alle sich
ihm widersetzenden Ungläubigen erschlagen. Unter seiner Herrschaft
wird das Paradies auf Erden aufgerichtet werden.
Lehre
Das herausragende Kennzeichen schiitischer Lehre ist der Glaube
an den Imam. Er ist der oberste Führer der Gemeinde, ein von Gott
auserwählter Leiter, eine Art Vertreter des Propheten, von dem er
blutsmäßig abstammen muss. Er interpretiert die Offenbarung
des Korans, vor allen Dingen dessen verborgenen Sinn, den die Gläubigen
selbst nicht verstehen können. Er ist eine Art Mittler zwischen
Gott und der Gemeinde, in seinen Lehrentscheidungen unfehlbar und sündlos
(arab. ma's m) und hat übernatürliches Wissen. Die Aussprüche
der Imame besitzen für Schiiten dieselbe Lehrautorität wie
der Koran. - Die Sunniten besitzen eine solche unfehlbare Lehrinstitution
nicht.
In Rechtsfragen sind die Unterschiede zwischen Sunniten und Schiiten
erstaunlich gering. Im Wortlaut des Gebetsrufs weichen sie von den Sunniten
geringfügig ab. Erwähnenswert ist die Institution der Zeitehe
auf schiitischer Seite (eine vereinfachte Form der Eheschließung
von begrenzter Dauer mit Entlohnung der Ehefrau), sowie die Tatsache, dass
nach schiitischem Recht Männer und Frauen zu gleichen Teilen erben.
Die Schiiten sind aufgespalten in mehrere Splittergruppen, von denen
die Zwölferschiiten die bedeutendste Gruppierung ist. Darüber
hinaus existierten die Viererschiiten, die Zayditen, die Siebener- und
Fünferschiiten.
Weltweite Verteilung
Die Sunniten stellen heute mit rund 90% weltweit die Mehrheit
der Muslime dar, die Schiiten eine Minderheit von 8-9%. Der Iran
ist das einzige islamische Land, in dem die zwölferschiitische Lehre
Staatsreligion ist. Heute leben Schiiten außer im Iran (91%) in Syrien,
dem Irak (55%), dem Libanon (35-40%), der Türkei, Afghanistan (15-20%),
Saudi-Arabien (5%), den Golfländern, Indien und Pakistan (10-15%).
Dr. Christine Schirrmacher 
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