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Gemeinden und Kirchen Vorgestellt Hintergrundinfos, Menschen und Strukturen, Anfragen, Einschätzungen und Analysen |
Die katholische KircheWir zitieren aus einem Artikel von Diplom-Theologe Andreas Schwenzer, Würzburg 1997-1998, in dem er für den Internet-Server der katholischen Kirche eine Einführung gibt. "Die Römisch-katholische Kirche in Deutschland betrachtet sich als Kirche Jesu Christi.
Auf den ersten Blick erscheint Kirche wie eine große gesellschaftliche Gruppe, die soziale Aufgaben übernimmt und staatlichen Schutz genießt. Genauer betrachtet führt sie ihre Entstehung auf Jesus von Nazareth zurück, der für sie der Gesalbte Gottes (="Christus") ist. Als "Christen" glauben sie an ihn, an seinen Tod und seine Auferstehung, bekennen ihn als ihren "Herrn" und als "Sohn Gottes". In den Worten und Werken Jesu Christi sehen sie die Richtschnur für ihr Handeln und den Maßstab für die Weitergabe seiner Botschaft.
Die Christen sind zu einer Gemeinschaft zusammengerufen. Sie versuchen in ihr das umzusetzen, was Jesus Christus ihnen aufgetragen und der Kirche mitgegeben hat. Dies zeigt sich vor allem in drei Bereichen:
- im Bekanntmachen seiner heilbringenden Botschaft (Predigt und Religionsunterricht), - im Dienst am Nächsten, am Mitmenschen (Caritas bzw. Diakonie) und nicht zuletzt - in der gemeinsamen Feier von Gottes Gegenwart (Gottesdienst bzw. Liturgie).
Dabei schöpft sie ihre Glaubensüberzeugungen und ihre Deutung der gegenwärtigen Situation aus drei Quellen:
- dem Wort Gottes, das in der Bibel geschrieben steht ("Schrift"), - dem Schatz überlieferter Glaubenserfahrungen ("Tradition") und - der Feier des Gottesdienstes, insbesondere aus dessen Texten und Feierformen ("Liturgie").
Zwei Bilder aus der Bibel beschreiben näher, was Kirche ist:
Das Bild vom "Volk Gottes" greift die Überzeugung auf, dass Gott einen Bund mit den Menschen geschlossen und sie damit zu seinem Volk gewählt hat. Die fürsorgende Nähe Gottes zu den Menschen drückt sich darin genauso aus wie die Herkunft der Menschen aus der Liebe Gottes (Erschaffung der Welt). Das Bild vom "Leib Christi" versucht, das Innenleben der Kirche mit einem lebendigen Organismus zu vergleichen. Zu dessen Aufrechterhaltung werden viele verschiedene Organe gebraucht. Jedes für sich ist dabei wichtig. Auch die Kirche lebt von jedem einzelnen Mitglied und seinem Beitrag. Nicht eine Rangfolge untereinander steht dabei im Vordergrund, sondern Jesus Christus allein ist das Haupt der Kirche. Auf ihn hin ist der Körper ausgerichtet, von ihm erhält er Kraft und Sinn.
Die Römisch-katholische Kirche in Deutschland versteht sich als katholisch. Unser Wort "katholisch" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "allumfassend, alles einschließend". Für die Kirche Jesu Christi bedeutet dies:
Mit seiner Botschaft wandte sich Jesus Christus allumfassend an alle Menschen, an alle Völker und Rassen, an alle Bevölkerungsgruppen, an alle Geschlechter und Altersgruppen. Genauso hat nun die Kirche die Aufgabe, diese "katholische" Frohbotschaft überall auf der Welt zu verkünden und zu bezeugen. Jesus Christus rief mit seiner Botschaft alle Menschen zu einer alles einschliessenden Gemeinschaft zusammen. In gleicher Weise sollen sich auch die einzelnen christlichen Gemeinden vor Ort in einer weltumspannenden Gemeinschaft gleichgesinnter Christen wissen und ein Gemeindeleben pflegen, in das alles Interessierten eingebunden werden.
Übrigens wurde "katholisch" in der Reformationszeit (16. Jahrhundert) seitens der entstandenen evangelischen Kirchen mit dem Etikett "römisch-katholisch" versehen. Dennoch sind alle christlichen Kirchen von der allumfassenden (=katholischen) Einheit der Kirche genauso überzeugt, wie die Botschaft Jesu Christi (=Evangelium) Norm des Handelns in allen Kirchen ist. In diesem Sinne sind eigentlich alle christlichen Kirchen sowohl katholisch als auch evangelisch. In unserem Jahrhundert sind die Bemühungen verstärkt worden, die Trennung der Kirchen zu überwinden und aufeinander zuzugehen. Gemeinsamkeiten in der christlichen Wurzel und im Verständnis der Bibel wurden großteils wieder freigelegt. Und vielerorts gibt es zahlreiche - unter dem Begriff "Ökumene" zusammengefasste - Begegnungen und gemeinsame Veranstaltungen von katholischen und evangelischen Gemeinden.
Die Römisch-katholische Kirche in Deutschland weiss sich sich mit dem Papst in Rom und mit der ganzen Weltkirche verbunden. Die deutschen Katholiken verwenden nur selten den Zusatz "römisch", wenn sie von ihrer (katholischen) Kirche sprechen. Sie wollen damit nicht die Stellung "Roms" leugnen, denn der Dienst an der Einheit der Kirche, den der Bischof von Rom als Papst der katholischen Kirche auszuüben hat, gehört ganz "normal" dazu. Unabhängig von der konkreten Ausübung (die im Laufe der Geschichte auch ihre Schattenseiten hatte) dient das römische Papstamt als Zeichen der weltumspannenden Einheit und Verbundenheit der einzelnen Gemeinden und Christen (=katholisch).
Auch wenn es vielleicht von außen nicht den Anschein hat, so werden viele kirchliche Entscheidungen nicht einfach von oben beschlossen, sondern entstehen oftmals in langen Prozessen, an denen - in quasi demokratischen Strukturen - Christen aller Schichten und "Rangstufen" beteiligt sind. Nicht zuletzt das kirchliche Gesetzbuch sieht solche Beratungsprozesse von unten nach oben ausdrücklich bei wichtigen Entscheidungen vor.
Trotz des römischen "Zentrums" der katholischen Kirche wird keine Einheitskultur - etwa verbunden mit europazentrierten Tendenzen - angestrebt. Vielmehr ist die katholische Kirche auf der ganzen Welt bemüht, die Kulturen vor Ort zu achten und von ihnen zu lernen. Behutsam versucht sie (mittlerweile) die vorhandene örtliche Kultur und die Frohe Botschaft Jesu Christi zu verbinden.
Die Römisch-katholische Kirche in Deutschland lebt deutschlandweit in vielen kleinen Gemeinden und Gruppen.
Die katholische Kirche in Deutschland setzt sich aus einer Vielzahl unterschiedlicher Gruppierungen zusammen, in denen getaufte Christinnen und Christen ihren Glauben leben und ihr Leben (mit-)teilen.
Da gibt es die zahlreichen Pfarrgemeinden (bzw. Pfarreien oder Pfarren) vor Ort, in denen Menschen aller Generationen zusammenkommen, die in einem Ort oder Stadtteil leben. Diese Gemeinden sind überregional zu einem Bistum (bzw. einer Diözese) zusammengeschlossen, dem ein Bischof vorsteht. Geschichtlich bedingt sind drei bis sechs Bistümer zu sogenannten Kirchenprovinzen zusammengefasst, denen einer der Bischöfe vorsteht. Dieser wird dann auch als Erzbischof bezeichnet, sein Bistum als Erzbistum (bzw. Erzdiözese). Auf Bundesebene arbeiten die Bischöfe der deutschen Diözesen in der sogenannten Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zusammen. Hier fliessen die innerkirchlichen Beratungen zusammen, werden landesweite Beschlüsse gefasst und entstehen die offiziellen Verlautbarungen der katholischen Kirche in Deutschland.
Daneben gibt es zahlreiche geistliche Ordensgemeinschaften, in denen Frauen bzw. Männer in vielen Niederlassungen (Klöster, Abteien usw.) ein gemeinsames Leben führen und dieses Leben in besonderer Weise an der Frohbotschaft Jesu Christi ausrichten. Sie leisten sowohl in allgemein gesellschaftlichen Bereichen (sozial-caritative Einrichtungen, Bildungshäuser usw.) als auch innerhalb der katholischen Kirche (geistliche Besinnung, Gesprächsangebot) vielfältige Hilfestellungen.
Darüber hinaus sind viele Katholiken in christlichen Verbänden bzw. Vereinen organisiert. Hier finden sich Gleichgesinnte (Jugendliche, Arbeiter, Frauen, Senioren, Behinderte usw.) zusammen, um konkret das umzusetzen, was Jesus Christus zu leben verkündet hat. Diese sogenannten "Laienverbände" sind im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) zusammengeschlossen. Es koordiniert die Arbeit der verschiedenen Verbänden und übernimmt die Rolle, ihr gemeinsames Sprachrohr in Politik, Gesellschaft und Kirche zu sein. Im Auftrag des ZdK werden auch die Katholikentage organisiert, bei denen die Vielfalt und Lebendigkeit der Kirche in besonderer Weise erlebbar wird.
Die katholische Kirche in Deutschland mit Ihren einzelnen "Ortskirchen" (d. h. den Bistümern bzw. Diözesen) gehört zur weltweiten katholischen Kirche. Diese Weltkirche hat im Vatikan ihre "Verwaltungszentrale" und gemeinsame diplomatisch-politische Vertretung. Im Papstamt findet sie ihre zeichenhafte Mitte auf Erden. Jede kirchliche Verwaltungsstelle und jeder christliche Leitungsdienst steht jedoch vor dem Anspruch, auf das eigentliche Zentrum der Kirche hinzuweisen: auf Jesus Christus, der in seinem Tod und seiner Auferstehung die Menschheit erlöst hat, und auf seine Wiederkunft. Zu diesem "guten Ende" hat sich die Kirche auf den Weg durch die Zeit gemacht. Mit dem Ende der Zeiten ist dann auch das Ende der Kirche gekommen, wenn die ganze Welt von der unendlichen Liebe Gottes umfangen wird und heimkehrt in sein Reich. Nicht erst auf dieses Jenseits zu warten, sondern jetzt schon an seinem Reich mitzubauen, dazu sind die Menschen auf Erden gerufen."
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