
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

|
|
Die großen Christenverfolgungen 249 und 304 n.Chr. und die Abspaltung der Donatisten 311 n.Chr.
Der römische Kaiser Decius erlangte die Macht im Jahr 249 n.Chr. Bedroht durch diverse Kriege an den Grenzen des römischen Imperiums wollte er zu den antiken Göttern Roms zurückkehren und sich der Loyalität seiner Untertanen versichern. Er erließ ein Dekret, nach dem alle Bürger einem Standbild des Kaisers Opfer bringen sollten. Wer dieses Opfer erbrachte, erhielt einen Brief mit dem Namen "libellus". Wer den Brief nicht besaß, mußte mit Folter und Exekution rechnen.
Unter den Opfern von Decius waren die Bishöfe von Rom, Antiochien und Jerusalem. Andere, einschließlich der Bishöfe von Karthago und Alexandria, flohen in den Untergrund. Einige Bishöfe beugten sich dem Druck und vollzogen das Kaiseropfer. Decius wurde schließlich im Jahr 251 in einer Schlacht getötet, doch die Verfolgungen nahmen kein Ende.
Kaiser Valerian erließ 253 n.Chr. ein Dekret, nach dem jedes Zusammentreffen von Christen verboten wurde. Der Besuch von Friedhöfen wurde Christen verboten. Jede Übertretung wurde mit dem sofortigen Tode durch Enthauptung bestraft. Dieses Schicksal widerfuhr einer großen Zahl von Christen. 258 wurden Sixtus, der Bishof von Rom, und sechs seiner Diakone bei einem Gottesdienst festgenommen und sofort exekutiert. Bishof Cyprian von Karthago, einer der großen Führer der christlichen Kirche, wurde enthauptet. Die reichsweiten Verfolgungen wurden durch ein Toleranzdekret des Kaisers Gallienus 261 n.Chr. unterbrochen und gaben der christlichen Kirche 40 Jahre Frieden.
Im Jahr 298 gab es einen Eklat in einem heidnischen Opfer in Antiochien. Der Priester klagte einige Christen an, die Zeremonie zu stören. Am Ende mußten Truppen eingreifen. Unter der Herrschaft von Diokletian wurden Christen tolleriert, seine Frau und Tochter waren selbst Christen. Doch Galerius Caesar, der Kronprinz, war den Christen bitterlich Feind. Nach einem Sieg 296 in Persien nahm sein Einfluß stark zu. Im Jahr 300 setzte er ein kaiserliches Edikt durch, nach dem alle Soldaten dem Kaiser opfern sollten. Dies stellte sofort alle Christen an den Pranger und die Todesstrafe war die Bestrafung für eine Verweigerung des Opfers. Drei Jahre später ordnete ein weiteres Dekret die Zerstörung aller Stätten der Anbetung oder des Gottesdienstes an.
Diokletian wurde krank und Galerius setzte sich vollends durch. Im Jahr 304 wurde das Opfergebot von den Soldaten auf alle Bürger ausgedehnt. Sie mußten den römischen Götter Opfern oder die Todesstrafe auf sich nehmen. Im ganzen römischen Reich wurden christliche Gemeinschaften ausradiert, in Nordafrika, Ägypten, Palästina. Es ging ein öffentlicher Aufschrei als Reaktion auf das Blutbad von 305 durch das Reich und Diokletian mußte 305 zurücktreten. Im Westen wurde von Constantius und Maxentius ein neues Toleranzedikt erlassen. Im Osten verdoppelte Galerius, der Diokletian als Kaiser folgte, die Verfolgung. Doch er konnte das Christentum nicht auslöschen. Im Gegenteil: die Anzahl der Christen nahm stark zu.
Ein zeitgenössischer Schreiber, Lactantius, sieht Gottes Hand in den Verfolgungen. Er schreibt: "Es gibt einen weiteren Grund, warum Gott die Verfolgungen zuläßt, die uns treffen. Er möchte, daß die Anzahl der Christen wächst." Im Jahr 311 wurde Galerius gezwungen, ein Protokoll der Toleranz zu unterzeichnen, welche den Christen das Versammlungs- und Anbetungsrecht zurückgab.
Im Jahr 311 kam es zu einer Kirchenspaltung in Nordafrika. Im Streit über eine Bishofsordinierung durch einen Bishof, der heilige Bücher den Verfolgern übergeben hatte, verweigerten sich 80 Nordafrikanische Bishöfe. Die Spaltung (Schismus) verfestigte sich unter Kaiser Konstantin und dauerte bis zur muslimischen Invasion Jahrhunderte später. Die nordafrikanischen Christen wurden nach ihrem Führer Donatus die Donatisten genannt. Sie bedienten sich geschickt der lokalischen punischen Sprache anstelle des offiziellen Lateins und sahen sich als "wahre" Christen gegenüber der römischen Kirche. Augustinus beschreibt die orthodoxe Antwort auf diesen Anspruch: "Die Wolken rollen mit Donner daß das Haus Gottes in der Ganzen Welt gebaut wird; und diese Frösche sitzen in ihren Feldern und quaken: 'wir sind die einzigen Christen'!" 
|
|
|