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Evangelium.de > lesen & informieren > Geschichte des Glaubens > Untergrundkirche: 70-312 n.Chr. > Die Kirche entwickelt sich 250-300 >


Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

 


Geschichte des Glaubens
  Anfänge: 4-70 n.Chr.
->Untergrundkirche: 70-312 n.Chr.
   Neue Religion im röm. Reich 50-100
   Die Evangelien 30-100 n.Chr.
   Gottesdienst und Leitung in der Kirche
   Verfolgungen und Märtyrer 50 - 313
   persönliche Geschichte
   Frühe Verteidigung (Apologie) 100-300 n.Chr.
 ->Die Kirche entwickelt sich 250-300
   Die großen Christenverfolgungen 249-304
   Teil der Geschichte bis heute
  Versuchung der Macht: 313-590 n.Chr.
  Bekehrung Europas: 590-1054 n.Chr.
  Kreuzzüge bis Renaissance: 1054-1517 n.Chr.
  Reformation: 1517-1648 n.Chr.
  Aufklärung und Erweckung 1648-1776 n.Chr.
  Industrielle Revolution 1776-1914 n.Chr.
  Moderne Gesellschaft 1914 n.Chr. - heute
 

Die sich entwickelnde Kirche ca 250-300 n.Chr.

Am Ende des zweiten Jahrhunderts nach Christus hatte sich die christliche Kirche über das ganze römische Reich ausgebreitet. Einen kleinen Eindruck über die Dimensionen der Kirche verschafft uns z.B. ein Brief des Bishofs von Rom, der ca 250 n.Chr. schreibt, dass seine Kirche "46 Priester, 7 Diakone und 7 Sub-Diakone, 42 Messdiener, 52 Exorzisten, Vorleser und Türsteher, mehr als 1500 Witwen und Bettler" habe, die "versorgt werden durch die Gnade und Liebe Gottes".

Das Verständnis der Kirche für die Geheimnisse Gottes wurde nach und nach durch eine Reihe interner Debatten klarer. Eine der größten Herausforderungen dabei war die Frage nach der Inkarnation, der Menschwerdung Gottes in Jesus. Die Bibel lehrt, daß Gott einer ist, und daß Vater, Sohn und heiliger Geist Gott sind. Sie lehrt auch, daß Jesus Christus ein Mensch ist, und daß er Gott ist. Wie diese Paradoxien aufgelöst werden können, wird nicht dargelegt. So war die frühe Kirchengeschichte durch jahrhundertelange Versuche geprägt, ein angemessenes Vokabular und ein gutes Verständnis dieser Zusammenhänge zu erlangen.

Die orthodoxe Beschreibung der Geheimnisse Christi wurde schliesslich in den großen Konzilien des vierten und fünften Jahrhunderts festgehalten. Davor gab es eine Reihe von Versuchen, die Zusammenhänge zu beschreiben, die entweder die Menschlichkeit Jesu außer acht ließen bei dem Versuch, seine Göttlichkeit herauszustellen, oder welche die Göttlichkeit Jesu vernachlässigten, wenn sie ihm als Mensch begegneten.

Eine der Irrlehren jener Zeit war der Monarchianismus, eine Schule, die etwa 190 n.Chr. in Rom begann. Der Name bezieht sich auf den Inhalt der Lehre, welche die Einheit Jesu mit Gott, dem Vater, also die göttliche Monarchie, in den Vordergrund rückt. Eine andere Schule der Monarchisten versuchte als Reaktion, Jesus als Menschen zu sehen und ihn geringer als Gott einzuordnen. Theodotus von Byzans wurde 190 aus der Kirche von Rom ausgeschlossen, weil er Jesus als bloßen Menschen lehrte, in dem Gott besonders gegenwärtig war. Die Lehre war damit nicht am Ende. Der Bishof von Antiochien, Paul von Samosata, wurde 268 aus seiner Kirche ausgeschlossen, weil er lehrte, Jesus war nur ein Mensch, der von göttlicher Substanz (gr. ousia) durchflossen wurde. Andere versuchten die Göttlichkeit Jesu zu retten, indem sie ihn so eng mit dem Vater verschmolzen, daß seine eigenständige Persönlichkeit verloren ging. Diese Schule des Monarchianismus wurde als Modalismus bekannt, weil sie lehrte, daß Vater, Sohn und heiliger Geist und andere Moden desselben Gottes waren.

Es gab jedoch weitere wichtige Grundfragen. Wie sollte man mit denjenigen Christen verfahren, die unter Androhung von Gewalt vom Glauben abgefallen waren, jedoch in die Gemeinde zurückkehren wollten. Eine Debatte zwischen zwei römischen Presbytern, Hippolytus und Callistus, und dem Bishof von Rom, Callistus, führte zu ersten Konflikten um den Papst, den Bishof von Rom. Eine Gruppe von Anhängern wählte Hippolytus zum Bishof gegen Callistus - er wurde der erste "Anti-Papst" ca. 217 n.Chr. Die Spaltung setzte sich bei den Nachfolgern Urban und Pontianus fort und wurde erst 235 aufgelöst, als Hippolytus und Pontianus zurücktraten. Beide wurden dann allerdings bald als Märtyrer hingerichtet.

Im frühen dritten Jahrhundert kam die Theologie zu neuen Höhen durch die sogenannten Alexandrinischen Väter. Alexandria beherbergte eine der größten Bibliotheken der Welt mit mehr als einer halben Millionen Bänden, und war eines der intellektuellen Zentren der Welt. Mitte des zweiten Jahrhunderts gab es in Alexandria eine große christliche Schule. Ab 190 n.Chr. leitete Clement von Alexandria (150-215 n.Chr.) diese Schule für Glaubensanfänger. Er war in der griechischen Philosophie zu hause und schuf eine umfassende christliche Theorie von einer Tiefe und Reife, welche den heidnischen Philosophien in nichts nachstand. Clement sah Christus als den Logos, den großen Lehrer der Welt.

Nach Clement lehrte ein weiterer großer christlicher Theologe in Alexandria: Origen (185-254). Origen lehrte über 28 Jahre und wurde legendär für seine Lehre. Origen schrieb über 2000 Arbeiten und Bücher. Der Zeitgenosse Jerome schrieb: "Wer kann jemals all das lesen, was Origen geschrieben hat."


   

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