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| Evangelium.de > lesen & informieren > Geschichte des Glaubens > Untergrundkirche: 70-312 n.Chr. > Die Evangelien 30-100 n.Chr. > | ||||||
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?
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Wie entstanden die Evangelien - die Sammlungen der Worte und Geschichten Jesu? 30-100 n.Chr.Die genaue Entstehung der Evangelien ist bis heute eines der am stärksten umstrittenen Ereignisse der frühen christlichen Geschichte. Wie kommt es, daß es vier Evangelien gibt, vier etwas unterschiedliche Berichte mit eigenen Schwerpunkten, eigenen Aussagen, unterschiedlichen Versionen der Ereignisse? Was haben die Evangelisten eigentlich genau getan, diese Autoren der Evangelien? Haben sie nur die Tradition der frühen Gemeinde aufgeschrieben? Haben Sie ihre eigenen Standpunkte eingebracht? Woher haben sie das Material genommen, das hier gesammelt ist? Nach welchen Kriterien ist es zusammengestellt und angeordnet worden? Diese und viele weitere Fragen haben Christen seit fast 2000 Jahren bewegt. Tatian, Christ im 2. Jahrhundert n.Chr. versuchte, alle Evangelien zu vereinigen in einer Geschichte Jesu mit dem Namen Diatessaron. Augustinus schrieb ein Werk "Die Harmonie der Evangelien". Und seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wurden diese Fragen neu aufgegriffen und mit großer Energie verfolgt. Heute unterscheidet man grundsätzlich verschiedene Phasen der Überlieferung, die mit verschiedenen Methoden oder Techniken untersucht und analysiert werden. Zuerst kommt die Phase der mündlichen Überlieferung. Hier ist die Formgeschichte (form criticism) das Werkzeug der Wahl. Sie untersucht, wie die Geschichten und Worte von Jesus ihre spezielle Form erhalten haben, mit der sie im wesentlichen erzählend weitergegeben wurden. Eingeführt wurde die Formgeschichte für neutestamentliche Teile der Bibel durch Karl Ludwig Schmidt, Martin Dibelius und Rudolf Bultmann in den Jahren 1919-21. Geprägt wird die Arbeit dieser Theologen durch einen starken historischen Skeptizismus, welcher die Richtigkeit vieler Berichte anzweifelt. Die zweite Phase der Überlieferung ist die Phase der geschriebenen Quellen. Sie wird mit der Quellenkritik oder Quellengeschichte untersucht. Quellenkritik wurde z.B. durch die deutschen Theologen G.E. Lessing (1771) und Eichhorn (1804) populär gemacht. Sie versucht zum Beispiel, die großen Übereinstimmungen der drei "synoptischen" Evangelien durch die Annahme gemeinsamenr Quellen zu erklären. Verschiedene Theorien der gegenseitigen Abhängigkeiten sind im Laufe der Zeit entwickelt worden. Oft wurde dabei das Markus-Evangelium als "einfachstes" Evangelium als das älteste gesehen und seine Entstehung auf etwa 65 n.Chr. (in Rom) datiert. Die Phase der finalen Komposition beschäftigt sich mit der Zusammenstellung der Evangelien in ihrer heutigen Form. Sie wird mit der Disziplin der Redaktionsgeschichte bzw. Redaktionskritik untersucht. Hier geht es darum, die Anordnung des Materials zu verstehen und in Zusammenhang zu bringen mit den theologischen Zielen der Autoren. Pioniere in diesem Gebiet waren etwa die deutschen Theologen Günther Bornkamm in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, Hans Conzelmann (1954) oder Willi Marxsen (1956). Die Evangelien werden mit Hilfe der Literarkritik als Werk der Literatur untersucht. Die Geschichtswissenschaft versucht, die historischen Aussagen der Evangelien in die Zeitgeschichte einzuordnen. Hier ist insbesondere die Leben Jesu Forschung zu nennen, die zwischen 1774 (Samuel Reimarus) und 1906 (Albert Schweizer) versuchte, eine historische Version des Lebens Jesu zu konstruieren. Schweizer zeigte, daß es sich dabei aber mehr um Projektionen der Ansichten der jeweiligen Schreiber handelt, welche ihren eigenen kulturellen Hintergrund und philosophische Grundhaltungen in der Geschichte wiederfinden, weniger um wirklich historische Aussagen. Die Entmythologisierung und existentialistische Ansätze gehören ebenfalls in die moderne Zeit (siehe etwa Ernst Käsemann 1953). Bei unterschiedlichsten Versionen der zeitlichen Rekonstruktion werden die frühen Quellen in der Regel auf 50-60 n.Chr. datiert. Die Entstehung von Markus oder einer "M-Quelle" wird auf 65 n.Chr. in Jerusalem oder Rom angesetzt. die weiteren Evangelien müssen dann etwa 85 n.Chr. in Jerusalem, Antiochien und/oder Casearea entstanden sein, wobei man die Natur solcher Aussagen verstehen muß: es handelt sich um Modell-Aussagen, welche die bekannten Tatsachen und vorhandenen Texte in einem umfassenden Modell zu erklären versuchen. |
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