
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

|
|
Weltgeschichte und Lebensverständnis
Wie stellen Sie sich die Weltgeschichte vor? Wie ist die
Welt entstanden mit den Sonnen und Planeten, der Erde,
dem Leben auf der Erde, Pflanzen, Tieren und Menschen?
Wie kam es zur Kultur- und Zivilisationsgeschichte? Wo
stehen wir als Deutsche heute in Europa und den Staaten
der Welt?
Unser Verständnis der Welt relativiert sich stark, wenn wir
es in geschichtlicher Perspektive entdecken. Es relativiert
sich stark, wenn wir es in biblischer Perspektive entdecken.
Was bedeutet 'es relativiert sich'? Das meint: wir entdecken,
wie sehr wir geschichtlich geprägt sind. Was wir heute für
richtig halten, ist nicht der Weisheit letzter Schluß,
sondern es ist unsere Auffassung von der Welt, wie sie
über 4000 Jahre gewachsen ist. Unsere Auffassung wird weiter
wachsen und sich verändern.
Die Bibel selbst ist ein durch und durch geschichtliches
Buch. Der Gott der Bibel ist ein Gott, der in der Geschichte
wirkt, auch wenn er über der Geschichte lebt. Die Bibel
ist eines der größten Geschichtsbücher der Weltgeschichte,
auch wenn die Geschichte dort nicht so aufgeschrieben ist,
wie moderne Geschichtsschreiber es tun würden.
Doch kommen wir zurück zu unserem Welt und Lebensverständnis.
Die Bibel sieht die Schöpfung als Gottes Schöpfung. Die
Geschichte der Entstehung der Erde und des Lebens wird in einem
(im Gesamtverhältnis der Bibel) kurzen Abschnitt des ersten
Buches Mose erzählt. Gott schafft die Welt in sechs Tagen, am
siebten Tage ruht er. Am sechsten Tage schafft Gott Pflanzen,
Tiere und Menschen. Für mich persönlich ist es nicht wesentlich,
ob solch einem Schöpfungstag einen Tag oder 10.000 Jahre
(1 "Schöpfungs"-Tag) unserer Zeitrechnung zuzurechnen sind.
Der Mensch ist geschaffen als Mann und Frau,
beide Mensch, die gleich sind und doch anders, die aufeinander
als Ergänzung angelegt sind: "Es ist nicht gut, daß der Mensch
allein sei." Die Weltgeschichte beginnt mit dem Sündenfall:
der zur Gemeinschaft mit Gott geschaffene Mensch löst sich aus
dieser Gemeinschaft und gerät so in eine Welt, die Leid und
Tod kennt. Dann nimmt die Weltgeschichte ihren Lauf, deren Teil
wir sind.
Die Geschichte vom Sündenfall ist in ihrer inneren Logik
einwandfrei und glasklar. Eine historische Einordnung dieser
Erzählung zu einem Zeitpunkt, z.B. 6300 v.Chr., ist allerdings
äußerst problematisch. Mir persönlich ist eine solche Einordnung
bisher nicht gelungen. Die beschriebene Situation des gefallenen Menschen,
der ferne von Gott lebt und viel Böses tut, ist offensichtlich.
Wir leben damit - aber wie es genau dazu kam, liegt im Dunkeln.
Die Bibel sieht die Weltgeschichte als Gottes Erlösungsgeschichte
mit den Menschen. Gott möchte den Menschen nicht in der Welt des
Leides lassen, möchte die zerstörte Beziehung wieder herstellen.
Gott möchte Menschen erreichen, um mit ihnen zu leben - inmitten
der leidenden Welt, inmitten des Durcheinanders von Mächten und
Gewalten, von Philosophien und Entscheidungen. Der Mensch wird von
Gott in jeder Beziehung ernst genommen: mit seinem Willen, mit
seinen Taten und seinen Worten. So erzählen es das alte und neue
Testament über die Jahrhunderte. Gott beruft einzelne Menschen,
um mit ihnen zu Leben: Abraham, Isaak, Jakob und das Volk Israel.
Dann schickt er Jesus, seinen Sohn, als Menschen und Propheten in
die Welt, um die Schuld der Menschen wegzunehmen, um ungestörte
Beziehung und ewiges Leben zu ermöglichen. Jesus ist Gottes Werben
um die Zuwendung, Liebe, Hingabe und den Glauben der Menschen.
Die Bibel sieht die Weltgeschichte mit einem Ziel Gottes: seine
Herrschaft aufzurichten. Seit Jesus Christus, also seit 2000 Jahren,
richtet Gott seine Herrschaft in den Herzen von Menschen auf, die
ihn kennenlernen und ihm folgen. Das ist das Grundkonzept Gottes mit
der christlichen Gemeinde: Gemeinschaft der Glaubenden. Jetzt
ist die Zeit der Gnade, die Zeit der liebenden und unverdienten
Zuwendung Gottes, die Zeit der Erlösung und Befreiung von aller Schuld.
Wohin geht diese Weltgeschichte? Nach den Worten Jesu geht sie auf
Gottes neue Welt zu. Diese neue Welt kommt, definitiv. Den Übergang zur
neuen Welt Gottes bildet das Gericht, wo Gott die Taten aller Menschen
beurteilt. Es gibt Gerechtigkeit: die Gerechtigkeit Gottes in
Jesus und die Gerechtigkeit Gottes im Gericht. Anders geht es nicht -
so macht uns das Neue Testament diese Sachverhalte eindringlich klar.
Weltgeschichte ist auch "Gerichtsgeschichte" und die Erlösung vom
Gericht: "Gnadengeschichte".
Wenn wir heute in einer verweltlichten (säkularisierten) Welt leben,
so ist das Teil des Gerichtes Gottes. Weil wir ihn nicht suchen, bleibt
er uns fern. Weil wir ihn ablehnen, leben wir ohne ihn und müssen in
vielem auf seine Hilfe und seinen Trost, seine Zuwendung und seine
Kraft verzichten. Es kann aber anders sein: heute können wir uns persönlich
Gott im Gebet zuwenden. Heute können wir ihn ansprechen und seine Nähe
entdecken.
Ich wünsche Ihnen herzlich die Nähe Gottes durch den heiligen Geist!

|
|
|