
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

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"Mein Reich ist nicht von dieser Welt." - Jesus und die Kirche
Die Kirchengeschichte über 2000 Jahre Christentum ist
voll davon daß die christliche Kirche sowohl in Gestalt
der orthodoxen Kirche im Osten Europas als auch in Form
der römisch-katholischen Kirche im Westen, später dann
der lutherischen und reformierten Kirchen im Norden eine
enge Liaison mit dem Staat eingegangen ist.
Kann man aus den neutestamentlichen Zeugnissen eine solche
Verbindung nachweisen? Oder ist das Zusammengehen von
Kirche und Staat eine nach-apostolische Entwicklung, also
etwas, das erst nach der Zeit der Apostel Form und Raum
gewonnen hat? Wir wollen einmal in das neue Testament
hineinblicken und die prägnanten Worte Jesu von SEINEM
Reich ansehen. Im Johannes-Evangelium heißt es:
Da führten sie Jesus von Kaiphas zum Prätorium; es war früh
am Morgen. Und sie gingen nicht hinein, damit sie nicht unrein
würden, sondern das Passamahl essen könnten. 29 Da kam Pilatus
zu ihnen heraus und fragte: Was für eine Klage bringt ihr gegen
diesen Menschen vor? 30 Sie antworteten und sprachen zu ihm:
Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir hätten ihn dir nicht
überantwortet. 31 Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmt ihr
ihn hin und arichtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die
Juden zu ihm: Wir dürfen niemand töten. 32 So sollte das Wort
Jesu erfüllt werden, das er gesagt hatte, bum anzuzeigen,
welchen Todes er sterben würde.
33 Da ging Pilatus wieder hinein ins Prätorium und rief
Jesus und fragte ihn: Bist du der König der Juden? 34 Jesus antwortete:
Sagst du das von dir aus, oder haben dir's andere über mich gesagt?
35 Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die
Hohenpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du getan?
36 Jesus antwortete:
Mein Reich ist nicht von dieser Welt.
Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum
kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber
ist mein Reich nicht von dieser Welt. 37 Da fragte ihn Pilatus:
So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es,
ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen,
daß ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist,
der hört meine Stimme. 38 Spricht Pilatus zu ihm: Was ist
Wahrheit? Und als er das gesagt hatte, ging er wieder hinaus
zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm.
39 Es besteht aber die Gewohnheit bei euch, daß ich euch einen
zum Passafest losgebe; wollt ihr nun, daß ich euch den König der
Juden losgebe? 40 Da schrien sie wiederum: Nicht diesen,
sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Räuber.
(Joh. 18, 28-40)
Jesus gibt hier zwei zentrale Antworten für das Verhältnis
der Christen und der christlichen Gemeinschaft zu Staat und
Macht. Die erst Antwort: Christen wird und darf es nicht um weltliche
Macht gehen. Sein Reich, das Himmelreich oder "Reich Gottes",
ist zwar mitten in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt.
Es ist ein Reich, daß seine Macht mit Hilfe des heiligen
Geistes durchsetzt - es braucht die freiwillige Entscheidung.
Das ist die zweite zentrale Sache: "wer aus der Wahrheit ist,
hört meine Stimme" sagt Jesus. Es ist ein Reich des freiwilligen
Hörens. Es ist ein Reich, daß auf Ehrlichkeit, Treue, Glauben und
Hingabe beruht. Wenn hier viele Menschen freie Schritte gehen,
kann dieses Reich auch im weltlichen Sinne machtvoll werden,
aber niemals unterdrückend. Feinde werden geliebt, nicht
abgeschlachtet.
Die Kirchengeschichte ist in Bezug auf Jesus in vielen Passagen
äußerst problematisch. Kirche als Staatsmacht, die Andersdenkende
verfolgt? Das hat es gegeben. Kirche, die nicht der Wahrheit
verpflichtet war, nicht der ungeteilten Hingabe an Jesus Christus,
sondern vielen weltlichen Zielen, familiären Bindungen, Fürsten
und Königreichen ... auch das hat es gegeben. Kirche geleitet
und gemacht von Menschen, die nicht selbst hingegebene Nachfolger
Jesu sind, die nicht voller Glauben und voller Liebe leben - das
ist leider bis heute eine Realität. Schade - wie könnte das Leben
aussehen, wenn die Kirche sich voll und ganz an Jesus orientieren
würde, auf den sie sich ja beruft. Doch heute können wir dort
wichtige Schritte tun - es ist an der Zeit!
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz.

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