
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

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Augustinus und die Gnade (354 - 430 n.Chr.)
Einer der einflußreichsten christlichen Denker und
Autoren war Augustinus, Bishof von Hippo. Über 1000 Jahre
lang sind seine Werke studiert und gelesen worden und
sind bis heute Meilensteine für jeden historisch
interessierten Christen.
Augustinus wurde 354 n.Chr. in Aurelius in Tagaste, dem
heutigen Algerien, Nordafrika, geboren. Er war Sohn
eines heidnischen römischen Beamten und einer
hingegebenen christlichen Mutter. In jener Zeit war
Nordafrika eine wichtige römische Provinz, in der ein
großer Teil der Nahrungsmittel des Reiches produziert
wurden. Das römische Reich war jedoch mitten in einer
lebensbedrohlichen Krise. Überall zeigten sich Zeichen
von Verfall und Dekadenz, die Wellen der barbarischen
Invasionen taten ihr Übriges zur Zerstörung des
ehemals blühenden Weltreiches. In diesem Umfeld wuchs
Augustinus auf und würde sich zeit seines Lebens mit
Angriffen barbarischer Stämme auf Reich und die
christliche Kirche auseinandersetzen müssen.
Augustinus zeigte starke akademische Begabungen und
studierte in Madaura und Karthago bis zum Alter von
16, als seinen Eltern das Geld ausging und er heimkehren
mußte. In dieser Zeit begann die Beziehung zu einer
Frau, die 15 Jahre dauern sollte und die Augustinus
später in seinen "Bekenntnissen" als Excesse seiner
Jugend bedauerte. Es war eine Zeit der Suche nach dem
Sinn des Lebens. Mit 19 beschäftigte sich Augustinus
mit der persischen Philosphie des Manichaismus, einer
Schule, die christliche, gnostische und heidnische
Elemente vereinigte. Manes (216-276) beschrieb in seiner
Lehre den Kampf zwischen Licht und Finsternis, Fleisch
und Geist. Das faszinierte Augustinus und für 9 Jahre
blieb er ein Anhänger dieser Lehre.
Im Jahr 383 zog Augustinus von Karthago nach Rom um, ein
Jahr später nach Mailand. Hier begann seine intensivere
Beschäftigung mit dem Christentum. Er berichtet in seinen
Konfessionen, daß er eines Tages in einem Garten saß und
Kinder reden hörte, die in Latein riefen: "nimm und lies!"
Abwesend nahm er das nächstliegende Buch und las in
dem Brief des Apostels Paulus an die Römer. Tief
beeindruckt durch die Zeilen suchte er den Bishof von
Mailand auf und begann, die Gottesdienste zu besuchen.
Er bekehrte sich und wurde 387 von Ambrosius getauft.
Im Jahr 391 wurde er zum Priester geweiht und kehrte
nach Nordafrika zurück. 395 wurde er zum Bishof von
Hippo, Algerien, gewählt, wo er bis zu seinem Tode 430 n.Chr.
blieb.
Als Bishof mußte sich Augustinus mit zwei starken Irrlehren
herumschlagen. Da waren zum einen die Donatisten, welche
all jene Christen in Leitungspositionen ablehnten, die
mit den römischen Besatzern in der Zeit der Christenverfolgung
Kompromisse eingegangen waren. Augustinus reagierte durch
die Einsicht, daß die Sakramente der Kommunion und der
Taufe nicht durch die eigene Gerechtigkeit des Priesters
ihre Bedeutung und Gültigkeit erhalten würden, sondern
allein durch die Gnade Gottes. Augustinus Lehre setzte sich
durch, aber die Donatistische Lehre hatte weiterhin Anhänger.
Die zweite Irrlehre ging von dem britischen Mönch Pelagius aus,
der 420 n.Chr. starb. Seine Lehre unterschied in einer Weise
zwischen Mensch und Gott, daß Menschen sich durch ihre Taten
den Weg in den Himmel verdienen konnten. Augustinus setzte
dagegen die neutestamentliche Lehre von der Gnade Gottes,
die allein Menschen gerecht und heilig machen kann. Ohne
die Gnade Gottes in Leben, Tod und Auferstehung Jesu, so
Augustinus, können Menschen nicht von Gott angenommen werden.
Augustinus vertrat die Notwendigkeit einer Bekehrung des
Herzens, eines der Zentren des Evangeliums.
Augustinus schrieb Bücher und Texte zu einer großen Zahl
aktueller Fragen. Er beschäftigte sich mit dem Verhältnis
von traditionellem christlichen Pazifismus zum Recht und
der Pflicht auf Verteidigung, welches er vertrat. Seine
Schriften sind gekennzeichnet durch eine tiefe Liebe zu
Gott und dem Wunsch, IHN besser kennenzulernen. Augustinus
sah diese Liebe und das Verlangen zur Nachfolge als
notwendige Eckpunkte eines lebendigen Glaubens.

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