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Evangelium.de > lesen & informieren > Geschichte des Glaubens > Versuchung der Macht: 313-590 n.Chr. > Augustinus und die Gnade 354-430 >


Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

 


Geschichte des Glaubens
  Anfänge: 4-70 n.Chr.
  Untergrundkirche: 70-312 n.Chr.
->Versuchung der Macht: 313-590 n.Chr.
   Durchbruch zur Staatsreligion 313
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   Toleranz und Bekenntnis
   Gnostiker - ein Überblick
   Konzil von Nicea 325 und Glaubensbekenntnisse
   Die großen Konzilien des 4.+5. Jh.
   Kirche an der Macht
   Entwicklung des Mönchtums
 ->Augustinus und die Gnade 354-430
   Barbaren und der Untergang Roms 4.+5.Jh
   Das Byzantinische Reich 500-1453
   Jesus und die Kirche
   Zeit der Mission 4.-6. Jh. n.Chr.
  Bekehrung Europas: 590-1054 n.Chr.
  Kreuzzüge bis Renaissance: 1054-1517 n.Chr.
  Reformation: 1517-1648 n.Chr.
  Aufklärung und Erweckung 1648-1776 n.Chr.
  Industrielle Revolution 1776-1914 n.Chr.
  Moderne Gesellschaft 1914 n.Chr. - heute
 

Augustinus und die Gnade (354 - 430 n.Chr.)

Einer der einflußreichsten christlichen Denker und Autoren war Augustinus, Bishof von Hippo. Über 1000 Jahre lang sind seine Werke studiert und gelesen worden und sind bis heute Meilensteine für jeden historisch interessierten Christen.

Augustinus wurde 354 n.Chr. in Aurelius in Tagaste, dem heutigen Algerien, Nordafrika, geboren. Er war Sohn eines heidnischen römischen Beamten und einer hingegebenen christlichen Mutter. In jener Zeit war Nordafrika eine wichtige römische Provinz, in der ein großer Teil der Nahrungsmittel des Reiches produziert wurden. Das römische Reich war jedoch mitten in einer lebensbedrohlichen Krise. Überall zeigten sich Zeichen von Verfall und Dekadenz, die Wellen der barbarischen Invasionen taten ihr Übriges zur Zerstörung des ehemals blühenden Weltreiches. In diesem Umfeld wuchs Augustinus auf und würde sich zeit seines Lebens mit Angriffen barbarischer Stämme auf Reich und die christliche Kirche auseinandersetzen müssen.

Augustinus zeigte starke akademische Begabungen und studierte in Madaura und Karthago bis zum Alter von 16, als seinen Eltern das Geld ausging und er heimkehren mußte. In dieser Zeit begann die Beziehung zu einer Frau, die 15 Jahre dauern sollte und die Augustinus später in seinen "Bekenntnissen" als Excesse seiner Jugend bedauerte. Es war eine Zeit der Suche nach dem Sinn des Lebens. Mit 19 beschäftigte sich Augustinus mit der persischen Philosphie des Manichaismus, einer Schule, die christliche, gnostische und heidnische Elemente vereinigte. Manes (216-276) beschrieb in seiner Lehre den Kampf zwischen Licht und Finsternis, Fleisch und Geist. Das faszinierte Augustinus und für 9 Jahre blieb er ein Anhänger dieser Lehre.

Im Jahr 383 zog Augustinus von Karthago nach Rom um, ein Jahr später nach Mailand. Hier begann seine intensivere Beschäftigung mit dem Christentum. Er berichtet in seinen Konfessionen, daß er eines Tages in einem Garten saß und Kinder reden hörte, die in Latein riefen: "nimm und lies!" Abwesend nahm er das nächstliegende Buch und las in dem Brief des Apostels Paulus an die Römer. Tief beeindruckt durch die Zeilen suchte er den Bishof von Mailand auf und begann, die Gottesdienste zu besuchen. Er bekehrte sich und wurde 387 von Ambrosius getauft. Im Jahr 391 wurde er zum Priester geweiht und kehrte nach Nordafrika zurück. 395 wurde er zum Bishof von Hippo, Algerien, gewählt, wo er bis zu seinem Tode 430 n.Chr. blieb.

Als Bishof mußte sich Augustinus mit zwei starken Irrlehren herumschlagen. Da waren zum einen die Donatisten, welche all jene Christen in Leitungspositionen ablehnten, die mit den römischen Besatzern in der Zeit der Christenverfolgung Kompromisse eingegangen waren. Augustinus reagierte durch die Einsicht, daß die Sakramente der Kommunion und der Taufe nicht durch die eigene Gerechtigkeit des Priesters ihre Bedeutung und Gültigkeit erhalten würden, sondern allein durch die Gnade Gottes. Augustinus Lehre setzte sich durch, aber die Donatistische Lehre hatte weiterhin Anhänger.

Die zweite Irrlehre ging von dem britischen Mönch Pelagius aus, der 420 n.Chr. starb. Seine Lehre unterschied in einer Weise zwischen Mensch und Gott, daß Menschen sich durch ihre Taten den Weg in den Himmel verdienen konnten. Augustinus setzte dagegen die neutestamentliche Lehre von der Gnade Gottes, die allein Menschen gerecht und heilig machen kann. Ohne die Gnade Gottes in Leben, Tod und Auferstehung Jesu, so Augustinus, können Menschen nicht von Gott angenommen werden. Augustinus vertrat die Notwendigkeit einer Bekehrung des Herzens, eines der Zentren des Evangeliums.

Augustinus schrieb Bücher und Texte zu einer großen Zahl aktueller Fragen. Er beschäftigte sich mit dem Verhältnis von traditionellem christlichen Pazifismus zum Recht und der Pflicht auf Verteidigung, welches er vertrat. Seine Schriften sind gekennzeichnet durch eine tiefe Liebe zu Gott und dem Wunsch, IHN besser kennenzulernen. Augustinus sah diese Liebe und das Verlangen zur Nachfolge als notwendige Eckpunkte eines lebendigen Glaubens.


   

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