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Evangelium.de > lesen & informieren > Geschichte des Glaubens > Bekehrung Europas: 590-1054 n.Chr. > Karl der Große - christliches Frankenreich 768-814 >


Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

 


Geschichte des Glaubens
  Anfänge: 4-70 n.Chr.
  Untergrundkirche: 70-312 n.Chr.
  Versuchung der Macht: 313-590 n.Chr.
->Bekehrung Europas: 590-1054 n.Chr.
   Zivilisierung der Barbaren 600.-700. n.Chr.
   Glauben in Mittel- und Nordeuropa 7.+8. Jh.
   Deutschland beginnt zu glauben 8.Jh
   Invasion im Osten: der Islam
 ->Karl der Große - christliches Frankenreich 768-814
   Mittelalterliche Kultur um 800.
   Zerfall, Chaos, Immoralität im 9. Jh.
   Kirche, Staat, Mönchstum im 10. Jh.
   Glanz und Spaltung der Kirche 6. -11. Jh.
   Östliche Kirchen und großes Schisma 1054
  Kreuzzüge bis Renaissance: 1054-1517 n.Chr.
  Reformation: 1517-1648 n.Chr.
  Aufklärung und Erweckung 1648-1776 n.Chr.
  Industrielle Revolution 1776-1914 n.Chr.
  Moderne Gesellschaft 1914 n.Chr. - heute
 

Karl der Große - ein neues "christliches" Frankenreich (768-814 n.Chr.)

In der Mitte des achten Jahrhunderts fiel es dem Papst immer schwerer, Rom gegen die Einfälle der Lombarden zu verteidigen. Der Papst wandte sich an die Frankenkönige um Hilfe. König Pepin und seine Söhne wurden gesegnet und zu Beschützern Roms ernannt. Diese Allianz sollte sich als weitreichend erweisen. Pepin verjagte die Lombarden und zwang sie, Reichtümer und Land in Norditalien zurückzugeben. Doch es war sein Sohn Karl, der sich zu einer der wichtigsten Figuren in der Geschichte Europas entwickeln sollte.

Karl, dem später der Beinahmen der Große gegeben wurde, wurde zum König der Franken nach dem Tode Pepins im Jahr 768. Er warf die Araber zurück nach Nordspanien, dehnte das Frankenreich nach Osten aus und bekehrte die Sachsen, einen heidnischen Stamme, der im Gebiet des heutigen Deutschlands lebte. Im Frühjahr 800 vermittelte Karl in einem heftigen Streit zwischen dem Papst Leo III (r. 795-816) und der Aristokratie von Rom und wurde Weihnachten 8000 zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches ernannt. Seine Macht vergrößerte sich schlagartig nach dieser Ernennung und ein neues großes Reich entstand im Westen Europas.

Nach anfänglicher Eintracht brachen in der Allianz zwischen Kaiser und Papst schnell Spannungen zu Tage. Der Papst verlangte vom Kaiser Unterordnung, der Kaiser behandelte den Papst als reinen juristischen Sachbearbeiter. Im oströmischen Reich wurde dies mit Bestürzung gesehen.

Karl wollte, daß alle Bürger seines Reiches in einer Sprache anbeteten. Er war stark von seinen römischen Verbindungen beeinflußt und im Jahr 781 ließ er sich ein Buch der päpstlichen Liturgie zukommen, welches die römischen Riten in lateinischer Sprache enthielt. Auf seinen Befehl hin mußte dies im gesamten Reich für den Gottesdienst verwandt werden. Es wird oft als ein wichtiger Schritt für die Christen der westlichen Welt gesehen, sich als Teil einer vereinigten Kirche zu fühlen.

Karl der Große sah im Glauben eine vereinigende Kraft für das weltliche Reich. Die Bekehrung wurde von ihm mit Gewalt erzwungen: "Jeder ungetaufte Sachse, der diese Tatsache verbergen will und sich der Taufe verweigert, wird mit dem Tode bestraft." Ein ähnliches Schicksal ereilte jeden Heiden, der sich abfällig über den Glauben äußerte. Wie Clovis vor ihm bestand er auf Massenbekehrungen - oder auf Massenschlachtungen im Falle des Widerstands.

Während der vier Jahrhunderte barbarischer Einfälle und Herrschaft war wenig neue Literatur in Europa entstanden. Wenige konnten lesen und schreiben und das Schulwesen lag darnieder. Das sollte sich unter Karl ändern: die Klöster wurden zum Zentrum der neuen Kultur und die karolingische Renaissance sollte Europa verändern. Darüber mehr im kommenden Abschnitt.

So groß die Verdienste Karls um die Einigung des Reiches und die neue Bildung waren - so schrecklich und anti-christlich sind seine Methoden der Bekehrung gewesen. Jesus, der Sohn Gottes, der sich selbst opfert für die Menschen, wird hier mit Gewalt den Menschen auferlegt. "Mein Reich ist nicht von dieser Welt...", sagt Jesus. Karl hat diese christliche Grundeinsicht nicht gekannt. Als wichtige Lehre aus der Geschichte können wir festhalten: Man muß sich hüten, alles das, was sich christlich nennt, für christlich zu halten, ob in oder außerhalb der Kirche.


   

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