
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

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Karl der Große - ein neues "christliches" Frankenreich (768-814 n.Chr.)
In der Mitte des achten Jahrhunderts fiel es dem
Papst immer schwerer, Rom gegen die Einfälle der
Lombarden zu verteidigen. Der Papst wandte sich an die
Frankenkönige um Hilfe. König Pepin und seine Söhne
wurden gesegnet und zu Beschützern Roms ernannt.
Diese Allianz sollte sich als weitreichend
erweisen. Pepin verjagte die Lombarden und zwang sie,
Reichtümer und Land in Norditalien zurückzugeben.
Doch es war sein Sohn Karl, der sich zu einer der
wichtigsten Figuren in der Geschichte Europas
entwickeln sollte.
Karl, dem später der Beinahmen der Große
gegeben wurde, wurde zum König der Franken nach dem Tode
Pepins im Jahr 768. Er warf die Araber zurück nach
Nordspanien, dehnte das Frankenreich nach Osten
aus und bekehrte die Sachsen, einen heidnischen
Stamme, der im Gebiet des heutigen Deutschlands
lebte. Im Frühjahr 800 vermittelte Karl in einem
heftigen Streit zwischen dem Papst Leo III
(r. 795-816) und der Aristokratie von Rom und wurde
Weihnachten 8000 zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
ernannt. Seine Macht vergrößerte sich schlagartig
nach dieser Ernennung und ein neues großes
Reich entstand im Westen Europas.
Nach anfänglicher Eintracht brachen in der Allianz
zwischen Kaiser und Papst schnell Spannungen zu Tage.
Der Papst verlangte vom Kaiser Unterordnung, der
Kaiser behandelte den Papst als reinen
juristischen Sachbearbeiter. Im oströmischen Reich
wurde dies mit Bestürzung gesehen.
Karl wollte, daß alle Bürger seines Reiches in einer
Sprache anbeteten. Er war stark von seinen römischen
Verbindungen beeinflußt und im Jahr 781 ließ er sich
ein Buch der päpstlichen Liturgie zukommen, welches
die römischen Riten in lateinischer Sprache enthielt.
Auf seinen Befehl hin mußte dies im gesamten Reich
für den Gottesdienst verwandt werden. Es wird oft als ein
wichtiger Schritt für die Christen der westlichen Welt
gesehen, sich als Teil einer vereinigten Kirche zu fühlen.
Karl der Große sah im Glauben eine vereinigende Kraft
für das weltliche Reich.
Die Bekehrung wurde von ihm
mit Gewalt erzwungen: "Jeder ungetaufte Sachse, der
diese Tatsache verbergen will und sich der Taufe
verweigert, wird mit dem Tode bestraft." Ein ähnliches
Schicksal ereilte jeden Heiden, der sich abfällig
über den Glauben äußerte. Wie Clovis vor ihm
bestand er auf Massenbekehrungen - oder auf
Massenschlachtungen im Falle des Widerstands.
Während der vier Jahrhunderte barbarischer Einfälle
und Herrschaft war wenig neue Literatur in Europa
entstanden. Wenige konnten lesen und schreiben und das
Schulwesen lag darnieder. Das sollte sich unter
Karl ändern: die Klöster wurden zum Zentrum der
neuen Kultur und die karolingische Renaissance sollte
Europa verändern. Darüber mehr im kommenden Abschnitt.
So groß die Verdienste Karls um die Einigung des Reiches
und die neue Bildung waren - so schrecklich und
anti-christlich sind seine Methoden der Bekehrung gewesen.
Jesus, der Sohn Gottes, der sich selbst opfert für die
Menschen, wird hier mit Gewalt den Menschen auferlegt.
"Mein Reich ist nicht von dieser Welt...", sagt Jesus.
Karl hat diese christliche Grundeinsicht nicht gekannt.
Als wichtige Lehre aus der Geschichte können wir
festhalten:
Man muß sich hüten, alles das, was sich christlich nennt,
für christlich zu halten, ob in oder außerhalb der Kirche.

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