
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

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Die Zivilisierung der Barbaren 600-700 n.Chr.
Am Ende des sechsten Jahrhunderts n.Chr. war die christliche
Kirche zentriert um das Mittelmehr - sie war gewachsen in
der Einflußsphäre des römischen Reiches und des nahen Ostens.
Im Osten war sie politisch, intellektuell und künstlerisch
weit stärker als im Westen, doch das sollte sich in den
kommenden Jahrhunderten ändern. Der Süden und Osten wurde
durch die Muslime überrannt, während sich die nördlichen
Barbaren bekehrten und den christlichen Glauben annahmen.
Im Jahr 600 sahen sich die westlichen Christen noch
als Teil des römischen Reiches, welches von Byzanz aus
geleitet wurde. Im Jahr 800 war der Kontakt zwischen
Ost und West stark eingeschränkt, der Osten muslimisch
beeinflußt und die katholische Kirche des Westens
absorbierte die barbarischen Einflüsse und die
arianischen und keltischen Christen.
Im Westen Europas war die Kirche die einzige Quelle
für Bildung und soziale Dienste. Der "Zehnte" des
Einkommens wurde lokal an den Bischof gezahlt, der das
Geld verwaltete. Nach Bekehrung der heidnischen Stämme
wurde dieses System auch bei ihnen angewandt. In jeder Diozese
wurden die Gelder aufgeteilt für den Bischof, die
klerikalen Mitarbeiter, Kirchenunterhaltung und die
sozial Bedürftigen. Gelder wurden eingesetzt für
Witwen, Weisen und andere in Not. Jede Diozese
unterhielt mindestens ein Krankenhaus, welches Unterkunft
für Arme, Reisende und Kranke bot. Die Barbaren hatten die
alten Staats-Schulen des römischen Reiches zerstört.
So wurde Bildung ebenfalls von der Kirche durchgeführt.
Alle Fächer wurden in Latein gelehrt.
Jungen wurden mit sieben in die Schule geschickt. Um das
Jahr 600 gab es sechs Stufen von der klerikalen Ausbildung
unterhalb des Priesters.
Die Lombarden, die Norditalien im späten sechsten
Jahrhundert bis zur Zeit Karls des Großen beherrschten,
waren ursprünglich zur heretischen arianischen Form
des Christentums bekehrt worden. Das führte zu
manchen Schwierigkeiten mit der römisch-katholischen
Kirche. Die Dinge lösten sich 602 auf, als der Thronfolger
die orthodoxe Taufe erhielt und sich dem orthodoxen
Glauben zuwandte. In Spanien wurde der König der
Visigothen im Jahr 589 katholisch, auch er war zuvor
nach arianischer Lehre Christ gewesen.
Die Feier der Eucharistie blieb das Zentrum des
sonntäglichen Gottesdienstes. Der Gottesdienst war seit
dem vierten Jahrhundert für die Teilnehmer jedoch eine
Veranstaltung geworden, in denen die Kongregation
im wesentlichen passiv blieb. Stattdessen entwickelten
sich andere Arten von Aktivität, in welche die Menschen
aktiv eingebunden wurden: Prozessionen mit Liedern und
Märschen wurden sehr populär. Heiligenkulte griffen um
sich und mit dem fünften Jahrhundert n.Chr. setzte sich
die Marienverehrung immer mehr durch.
Die Kirche war unterdessen bemüht, die heidnischen Stämme
in geeigneter Weise zu integrieren. Dabei wurden nicht wenige
Verhaltensweisen und Brauchtümer integriert, statt sie
ganz aus dem Leben zu verbannen. Papst Gegror der Große
schrieb etwa 601 Anweisungen an die Kirche in England:
"Die heidnischen Tempel dieser Leute müssen nicht
zerstört werden, nur die Götterbilder die sich in ihnen
befinden. Wenn die Tempel gut gebaut sind, ist es eine
gute Idee sie aus dem Dienst des Teufels herauszulösen und
für die Anbetung des wahren Gottes einzusetzen ... Die
Leute müssen lernen, ihr Vieh nicht zur Ehre des Teufels
zu schlachten, sondern zur Ehre Gottes und für ihre
eigene Nahrung ... Wenn wir ihnen diese äußerlichen
Freuden erlauben, werden sie mit größerer Wahrscheinlichkeit
ihren Weg zu den wahren inneren Freuden finden."

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