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Evangelium.de > lesen & informieren > Geschichte des Glaubens > Bekehrung Europas: 590-1054 n.Chr. > Östliche Kirchen und großes Schisma 1054 >


Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

 


Geschichte des Glaubens
  Anfänge: 4-70 n.Chr.
  Untergrundkirche: 70-312 n.Chr.
  Versuchung der Macht: 313-590 n.Chr.
->Bekehrung Europas: 590-1054 n.Chr.
   Zivilisierung der Barbaren 600.-700. n.Chr.
   Glauben in Mittel- und Nordeuropa 7.+8. Jh.
   Deutschland beginnt zu glauben 8.Jh
   Invasion im Osten: der Islam
   Karl der Große - christliches Frankenreich 768-814
   Mittelalterliche Kultur um 800.
   Zerfall, Chaos, Immoralität im 9. Jh.
   Kirche, Staat, Mönchstum im 10. Jh.
   Glanz und Spaltung der Kirche 6. -11. Jh.
 ->Östliche Kirchen und großes Schisma 1054
  Kreuzzüge bis Renaissance: 1054-1517 n.Chr.
  Reformation: 1517-1648 n.Chr.
  Aufklärung und Erweckung 1648-1776 n.Chr.
  Industrielle Revolution 1776-1914 n.Chr.
  Moderne Gesellschaft 1914 n.Chr. - heute
 

Östliche Kirchen und der große Bruch (Großes Schisma) 1054 n.Chr.

Im achten bis 10. Jahrhundert breitete sich das Christentum weiter nach Osten aus. Die ersten Missionare nach Moravien (Tschechische Republik, Südpolen) kamen aus Deutschland. Ihre Versuche, den Menschen das Evangelium mitzuteilen, wurden jedoch durch die Sprachschwierigkeiten stark behindert.

Im Jahr 862 machten sich Cyril und Methodius, zwei Brüder, von Thessalonich auf den Weg nach Tschechien. Sie übersetzten die Bibel ins Moravische und feierten die Eucharistie mit den Menschen in ihrer Sprache. So erreichten sie eine große Zahl von Menschen.

Doch dann kam es wie so oft in der christlichen Geschichte. Die deutschen Bischöfe stellten sich den Entwicklungen entgegen. Sie bestürmten dem Papst, die Feier des Abendmahls in der Landessprache zu verbieten. Papst Adrian II entschied sich jedoch anders und erlaubte den beiden Brüdern ihren Weg weiter zu gehen. Das änderts sich einige Jahre später, als Papst Stephan V. einen Bann auf die slavische Sprache zur Feier der Messe legte. Die Brüder mußten ins Exil gehen.

Im Jahr 864 ließ sich der bulgarische Zar taufen. Mit ihm kamen auch die Länder Rumänien und Serbien in die Ostkirche hinein. Moravien aber blieb fester Bestandteil der westlichen Kirche. Bohemien in Tschechien folgte Moravien im 10. Jahrhhundert. Polen, der nördliche Teil Moraviens, konvertierte im 10. Jahrhundert zu der lateinischen Form des Christentums. Der polnische Herrscher wurde 967 getauft und sein Sohn Boleslav Chrobry (992 - 1025) verfolgte einen energischen Christianisierungskurs.



In die weiten Gebiete Russlands waren schon einige Christen vorgedrungen. Im 10. Jahrhundert entschied sich Vladimir, der Herrscher von Kiev, für das Christentum. Er wollte sich der möglichst reinsten Form des Glaubens anschließen und sandte Boten, um die Lage zu erforschen. Seine Gesandten besuchten Konstantinopel und die Hagia Sophia, gegründet von Justitian im 6. Jahrhundert. Sie berichteten dem Herrscher von der der Schönheit der Kirche und der slavischen Liturgie. So kam Russland zur byzantinischen Form des Glaubens. Im Jahr 988 gab Vladimir den Befehl, daß sich alle Untertanen taufen lassen mußten. "Jeder, der sich nicht morgen mit mir im Fluß taufen läßt, sei er reich oder arm, wird meine Ungnade zu spüren bekommen." Ein Jahr später heiratete Vladimir die Schwester des Herrschers von Konstantinopel, so daß heute die Motive seines Handelns oft in politischer Strategie gesehen werden.

Der Osten hatte sich in den Jahrhunderten immer weiter vom Westen entfernt. Man sprach Griechisch, stand in einer ungebrochenen hellenistischen Tradition und kaum jemand war in der Lage, Latein zu sprechen. Umgekehrt war der Westen unfähig, einen Zugang zu den Traditionen und der Sprache des Ostens zu behalten. Der Osten betrachtete des Westen als kulturelle Barbaren, ungebildet und roh. Rom war viele male von den Barbaren erobert worden. Es kamen Streitigkeiten um den Süden Italiens hinzu, die im Zuge der Normannenkriege eskalierten. Papst Leo IX beanspruchte spirituelle Autorität, hielt eine Synode zur Reform der sizilianischen Kirche und ernannte einen neuen Bischof. Der Patriarch von Konstantinopel protestierte und ließ westliche Kirchen in Konstantinopel schließen. Der Papst exkommunizierte schließlich den Patriarchen von Konstantinopel. Am 16. Juli 1054 betrat der päpstliche Gesandte Cardinal Humbert de Silva Candida die Hagia Sophia und legte die Bulle der Exkommunikation auf den Hochaltar. Dies geschah obwohl der Papst im April des Vorjahres gestorben war. Der Patriarch reagierte mild, doch die Ereignisse waren nicht zurückzudrehen. In den folgenden 200 Jahren vertiefte und festigte sich diese große Spaltung zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Kirche, die bis heute die Christenheit trennt. Es war eine Entwicklung die sich im Laufe der Jahrhunderte durch weitere Spaltungen fortsetzte.


   

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