
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

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Zwischen Einheit und Spaltung: Anti-Päpste um 1400
Im Jahr 1294 wurde von den Kardinälen der
wegen seiner Heiligkeit bekannte Celestinus V zum
Papst gewählt. Doch er trat schon im Dezember wieder
zurück. Nicht nur Heiligkeit war von dem Oberhaupt
der Kirche gefragt, sondern auch Führungseigenschaften
und Verwaltung. Ihm folgte Bonifazius VIII (1295-1303),
ein Mitglied einer machtfollen Caetani-Familie.
Er begann auf dem Hintergrund reformierter
kirchlicher Institutionen, der machtvollen Predigt
der Mönche und einem durchaus lebendigen Christentum
unter dem Volk.
Von Bonifazius kam der stärkste Anspruch, den das
Papsttum jemals äußern sollte. In der Bulle Unam
Sanctam rief er alle auf, sich der Authorität des
Papstes zu unterstellen. Doch in diesem Punkt
kollidierte der Anspruch des Papstes mit den neuen
Kräften, die sich in der europäischen Politik
herausgebildet hatten. Es entstanden machtvolle
Nationalstaaten, an erster Stelle England und
Frankreich. Im Jahr 1303 gab es Streit mit König
Philip von Frankreich über die Steuern für den
Klerus. Der Papst zog sich vorübergehend in
seinen Familienpalast nach Anagni zurück und starb
dann unerwartet nach der Rückkehr nach Rom.
Es folgte eine lange Diskussion über einen
geeigneten Nachfolger, zu dem schließlich der
Erzbischof von Bordeaux, Bertrand de Got, gewählt
wurde und den Namen Clement V (1305-14) annahm.
Clement war ein Freund des französischen Königs.
Er verlegte nach einigen Turbulenzen den Papstsitz
nach Avignon im Süden Frankreichs.
Hier, auf französischem Boden, war der Papst
de facto ein Vasalle des französischen Königs.
Die nächsten sechs Päpste sollten französisch
sein und in Avignon herrschen. Zeitgenössische
Kritiker bezeichneten die Zeit die "Babylonische
Gefangenschaft der Kirche". Die Führung lebte
hier eher in Art weltlicher Prinzen und wurde
zum Ärgernis für nicht wenige der Gläubigen.
Der ausufernde Lebensstil benötigte Geld, und
die Kirchensteuern in Europe erreichen bisher
nie gekannte Höhen.
Um 1340 wurde das bunte Leben der Zeit durch
eine Plage bedroht, die ganz Europa in Angst
und Schrecken versetzte und die ein Drittel
aller Menschen das Leben kosten sollte. Der
Schwarze Tod verbreitete sich rasend
schnell und ließ keinen Teil der Gesellschaft
unberührt. Viele sahen das als Strafe für die
Sünden der Zeit, nicht zuletzt die des Papsttums.
Die Menschen konnten die Worte und Bilder
der Offenbahrung, des letzten Buches der Bibel,
ganz praktisch life erleben. Im Jahr 1377
kehrte Papst Gregor XI schließlich nach Rom
zurück, beeinflußt von der italienischen
Mystikerin Katharina von Siena, deren
feuriger Glaube ihr eine spirituelle Authorität
gab, die dem Papsttum jener Zeit fehlte.
Im Jahr 1378 trafen sich die Kardinäle, um
einen Nachfolger für Gregor zu wählen. Die
römischen Bürger wünschten einen italienischen,
keinen französischen Papst, und so wurde
Erzbischof Bari, Bartolomeo Prignano, unter
dem Namen Urban VI (1378-89) zum Papst ernannt.
Sein autokratischer Führungsstil führte jedoch
schnell zu Schwierigkeiten mit den Franzosen.
Nachdem Urban einige Kardinäle gefoltert hatte
und weitere verschwanden, verließ eine Gruppe
von Kardinälen Rom und erklärte in Anagni
die Wahl Urbans für ungültig, um schließlich
Robert von Geneva als Clement VII (1378-94) zum
Papst zu wählen.
Wieder war die Kirche gespalten. Clement saß
in Avignon, Urban in Rom. Die Theologen waren
zerrissen und die gesamte Kirche in Westeuropa
hing in einer instabilen Ballance. Nur ein
Kirchenkonzil konnte Abhilfe schaffen. Doch
bevor es dazu kam, starben beide Päpste.
Ihre Nachfolger wurden Bonifazius IX und Benedikt XIII.
Das Konzil von Pisa 1409 wählte schließlich den
Griechen Pietro Philarghi als Papst Alexander V
(1409-10) und rief die beiden anderen Päpste zum
Rücktritt auf. Beide lehnten ab und es gab nun
sogar drei Päpste zu gleicher Zeit.
Das Dilemma löste sich erst in den Jahren 1414-18
durch das Konzil in Constance in der Schweiz.
Mit dem Rücktritt der Päpste und Anti-Päpste
und der Wahl von Martin V. kam diese große
Kirchenspaltung zu einem Ende.

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