
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

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Wachstum an Glaube, Kunst und Bildung im 12. und 13. Jahrhundert
Das zwölfte Jahrhundert bedeutete für die westliche Kirche
ein starkes inneres Wachstum und eine wichtige innere
Erneuerung. Die Zeit der Invasionen war vorbei, die
Barbaren geschlagen oder bekehrt. Die Städte entwickelten
sich schnell und Fortschritt in der Landwirtschaft
erzeugte einen neuen und lange unbekannten Reichtum.
Inspiriert durch den einflußreichen Mönch Bernard
von Clairvaux verbreiteten sich Reformen
überall in der Kirche, in den verschiedenen Klöstern und Orden und
auch beim Papst in Rom. Teile des Klerus begannen in
Kloster-ähnlichen Gemeinschaften zu leben, um so die
Lasten des Zölibats [Ehelosigkeit] besser zu ertragen.
Der Handel mit Kirchenvertretungen wurde verboten.
Man nannte diese Priester nach Augustinus von Hippo,
da sie seinen Lebensregeln folgten. Im Gegensatz zu
den Klöstern war ihr Leben auf Predigt und Lehre
ausgerichtet, nicht auf ein abgeschiedenes Gebet.
Unter Papst Innocent III (ca. 1198-1216) erlangte
die Kirche einen besonderen Höhepunkt an neuer Macht
und neuem Glanz. Der Papst unterstützte die Reformen
in Form neuer Mönchsordnungen, so daß die Kirche sich
auf die Lehre und die Fürsorge für die Armen konzentrieren
sollte. Fürsten und Könige wurden in ihre Schranken
verwiesen, sobald sie sich in die Berufungsangelegenheiten
der Kirche oder Klöster einmischen wollten.
Innocent proklamierte jedoch auch die Macht für sich,
seine eigenen Kandidaten zu Bischöfen und Leitern
einzusetzen bzw. Bischöfe von Diözese zu Diözese
umzusetzen und Kirchenvertretungen neu zu verteilen.
Im Jahr 1215 brachte Innocent III 400 Bischöfe und
800 Mönche in Rom zu einem großen Konzil zusammen.
Es ging darum, die Lehre und die Predigt des Wortes
Gottes überall im Reich neu erblühen zu lassen.
Dazu wurden die kirchlichen Schulen gestärkt: sie
sollten hervorragende Theologen und gute Lehrer
beschäftigen.
Das starke Wachstum päpstlicher Macht blieb nicht
unproblematisch. Schon 1145 sah sich Bernhard von Clairvaus
zu weitreichender Kritik genötigt und brandmarkte in
einem Schreiben an Papst Eugenius III die Entwicklung:
"nach Rom ziehen die Ehrgeizigen, Habgierigen,
Frevlerischen, Ehebrecherischen, Inzestuösen, und
Monster der Menschlichkeit, um dort kirchliche
Ehren zu erhalten." Um ihre Kirchenmaschinerie zu
erhalten, begannen die Päpste, die lokalen Staaten
mit Steuern zu belegen. Der Personalbedarf führte dazu,
daß Bischöfe in entfernten Diözesen eingesetzt wurden,
aber Dienst in Rom tun sollten. Innocent etablierte
den päpstlichen Staat im Zentrum Italiens, um so dem
Einfluß von Königen und Kaisern zu entgehen. Doch
diese Unabhängigkeit wurde erkauft durch endlose
Kriege und Allianzen, um das Land frei zu halten.
Inmitten der Blüte war der Same für den Abstieg
schon enthalten.
In Nordfrankreich wurde im 12. Jahrhundert ein Stil
geboren, der bis zur Renaissance in Europa dominieren
sollte. Im Jahr 1140 wurde ein unbekannter Steinmetzmeister
verpflichtet, den Chor der königlichen Abtei von St. Denis
wieder aufzubauen. Er nutzte einen luftigen und
leichten Stil, der wesentlich größere Fenster zuließ
als die bisherigen römischen Basiliken. So wurde
der gothische Stil geschaffen, der den Kontinent
inspirieren sollte.
Der neue Stil verbreitete sich
rasend schnell über Europa. In den vier Jahrhunderten
von 1100 bis 1500 wurden über 500 Kathedralen und
unzählige kleinere Kirchen, Klöster und Konvente
erbaut. Die Kathedralen entwickelten sich zum Zentrum
der Mittelalterlichen Stadt und bestimmten ihr
Gesicht. Große Kathedralen sind etwa die Kathedrale
von Notre-Dame in Paris, erbaut 1163-1250.
Die architektonische Kunst schrieb den Glauben
in Stein.
Die neuen Kathedralen waren von vielerlei Skulpturen
und Bildern in Stein umgeben. Biblische Szenen sollten
die Ungebildeten leeren.

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