
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

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Radikale Reformer im 16. Jahrhundert: Baptisten, Mennoniten, Wiedertäufer etc.
Luther, Calvin und weitere ihrer Wegbegleiter waren voller
Feuer für die Sache und Person Jesu Christi, doch sie waren in vielem
eng verbunden mit dem Status der katholischen Kirche, auch wenn sie
diese als authoritäre Organisation ablehnten. Luther wandte sich nur
gegen jene Praktiken, die offensichtlich dem neuen Testament
widersprachen, ließ aber viel von dem unangetastet, was sich in den
Jahrhunderten der Kirchengeschichte entwickelt hatte, das aber im
neuen Testament nicht eingeführt wird.
Andere Reformer gingen einen Schritt weiter. Sie wollten ein Christentum,
das ganz aus dem neuen Testament heraus wächst und welches das Leben
der Glaubenden nach dem neuen Testament gestaltet. Sie gaben jede Art
von kirchlichen Aktivitäten auf, die nicht klar im neuen Testament
vertreten wird. Dazu gehörte die Verquickung von Macht und Glaube, der
Aufruf zu christlichen Kriegen genauso wie die Kindertaufe, welche
als unbiblisch angesehen wurde. Diese Christen wurden oft sowohl von der
katholischen Kirche als auch von anderen protestantischen Gruppen oder
Fürsten verfolgt und getötet und wurden von ihnen als Wiedertäufer
(Anabaptists) bezeichnet, weil sie die Kindertaufe als ungültig betrachteten
und Menschen als Erwachsene auf ihnren Glauben hin tauften. Heute
gehören die Baptisten zu den weltweit größten Gruppen von
Christen, etwa in den USA allein 33 Millionen oder etwa 19.4% der
Bevölkerung.
Zu den bekanntesten "Widertäufern" gehören Menno Simons
und Jakob Ammann. Menno Siemens war in Holland 1496 geboren worden
und wurde 1524 zum katholischen Priester ordiniert. Sein Studium des
neuen Testaments führte ihn zum Zweifel an der Transsubstantiationslehre
- die Lehre von der Gegenwart Christi im Wein und Brot des Abendmahles.
Im Jahre 1536 wandte er sich dem Täufertum (bzw. Wiedertäufertum) zu und
begann seinen Dienst in einer Gemeinde in Groningen. In Bezug auf die
Interpretation der Bibel achtete Simons auf jedes Wort und lehnte z.B.
den Begriff "Trinität" (Dreieinigkeit) ab, weil er in der Bibel nicht
auftaucht. Er glaubte an eine klare Trennung von Kirche und Staat und
lehnte die menschliche Natur Christi teilweise ab: Jesus sei nicht von
Maria geboren worden, sondern durch Maria, er sei voll und ganz Gott.
Seine Aktivitäten haben zur heutigen mennonitischen Kirche
geführt, die als evangelische Freikirche weiterhin lebendig ist.
Ammann (1644-1711) war ein mennonitischer Ältester (Presbyter), der in
der Schweiz lebte und lehrte. Er vertrat feurig die Trennung der
Glaubenden von der Welt. Seine 18 Artikel des Glaubensbekenntnisses
wurden 1632 von der mennonitischen Kirche angenommen. Im Jahr 1693
sonderte er sich jedoch daraus mit 4000 Nachfolgern ab und gründete
die Amish Mennoniten, die heute noch in den USA nördlich von
Washington eine in vielem von der restlichen Gesellschaft abgesonderte
Minderheit bilden. Die Amish People haben bis heute viele
Reformen durchgemacht, sind jedoch immer noch darauf bedacht, in klarem
Abstand zur modernen Gesellschaft zu leben. Besuche in dieser
Gruppe sind jedoch möglich und können ein bereicherndes Erlebnis sein.
Neben den angesprochenen Gruppen gab es auch radikale
apokalyptische Widertäufer. Thomas Münzer, der ehemalige
Alliierte von Luther, kam unter den Einfluß der sogenannten "Propheten
von Zwickau". Er predigte sozialen und politischen Umbruch. Als er
1524 nach Mülhausen zog, wollte er eine Theokratie (ein Gottesreich)
einrichten. Als Reaktion vereinigten Katholiken und Protestanten
ihre Kräfte um seinen Aufruf zum Bürgerkrieg zu beenden.
Er wurde gefangen und hingerichtet.
Im Jahr 1526 begann Melchior Hoffmann (1500-1543) als Priester
in Stockholm über das Weltende zu predigen und verkündigte die
Wiederkehr Chrisi im Jahr 1533. Er wurde Mitglied der Wiedertäufer
in Straßburg und predigte weithin. Seine Anhänger, die
Melchioriten überlebten als eine Gruppe unter den Wiedertäufern.
Einer seiner Anhänger, Jan Mathys, glaubte das die Stadt
Münster das neue Jerusalem werden würde. Im Jahr 1533 stürmte er
mit einer Armee von Wiedertäufern die Stadt, um die Weltherrschaft
zu übernehmen. Mathys und seine Anhänger wurden schließlich
gefangengenommen, gefoltert und getötet. Doch solche Ereignisse
erklären einen Teil des Mißtrauens, welche von den staatlichen
Authoritäten den Wiedertäufern und Baptisten entgegengebracht wurde.
Einige schwarze Schafe konnten in West-Europa viele Gruppen
konsequenter Reformer zum Teil für Jahrhunderte in Verruf bringen.
Es gab weitere Baptistengruppen, die eine pazifistische Einstellung
hatten, die jedoch ebenso verfolgt wurden. Unter ihnen war
Jakob Hutter und seine Hutterer. Sie wurden hingemätzelt bei
dem Völkermord unter König Ferdinand I. Heute leben viele Hutterer
in Canada und dem Norden der USA, wohin sie vor den Verfolgungen
in West-Europa geflohen sind.

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