
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

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Die Reformation in der Schweiz um 1530
Während sich die lutherische Reformation über Europa verbreitete, entwickelte
sich in der Schweiz eine weitere Form der Reformation, welche in die
reformierte Kirche münden sollte. Sie nahm ihren Anfang mit Ulrich
Zwingli und John Calvin.
Ulrich Zwingli (1483-1531) war stark von Erasmus beeinflußt.
Als begabter Prediger wurde er 1518 zum Priester in Zürich ernannt.
Aus dem Studium des neuen Testaments gewann Zwingli die Ansicht, daß
die Rechtfertigung des Menschen (seine Annahme durch Gott) allein aus
dem Glauben kommt und daß die Authorität der Bibel alle menschlichen
Authoritäten übersteigt. Zwingli attakierte die katholische Kirche und
ihre Praktiken deutlich. Im Jahr 1523 veröffentlichte Zwingli
76 Artikel, in denen er die Verehrung von Heiligen, die klösterlichen
Ordnungen, die Ablaßbriefe und den Schatz guter Werke als rein
menschliche Erfindungen bezeichnete, die keine Basis im neuen Testament
und damit im christlichen Glauben hätten.
Die öffentlichen Debatten um die Reformer beschäftigten die Gemüter.
Ein Jahr nach den 76 Artikeln ging Zwingli einen Schritt weiter. Er
verlangte die Entfernung von Kruzifixen, Relikten, Wandteppichen und
Statuen aus den Kirchen, setzte sich für die Abschaffung der katholischen
Messe ein und wollte das Orgelspiel, den Gesang und die Glöckchen im
Gottesdienst unterbinden. Der Stadtrat von Zürich unterstützte
Zwingli und im Jahr 1525 wurde der erste evangelikale Abendmahlsgottesdienst
in Zürich gefeiert.
Während sich die Lehren Zwinglis verbreiteten, gab es Differenzen zwischen
Luther und Zwingli bezüglich des Abendmahles (bzw. "Mahl des Herrn"). Luther
glaubte, daß Jesus Christus wirklich gegenwärtig sei in den Elementen
des Brotes und des Weines, Zwingli sah das Mahl nur als Erinnerungsmahl.
Zwingli war auch in Kontakt mit verschiedenen baptistischen Gruppen,
welche die Kindertaufe für falsch hielten. Nach Zwinglis Tod wurde sein
Einfluß schnell von dem Calvins überschattet.
John Calvin besaß einen scharfen und weitreichenden Verstand, der
ihm bald den Titel des größten Theologen der Reformation einbrachte. Sein
Einfluß bleibt bis heute durch die reformierte Theologie. Etwa
gegen 1532 hatte Calvin ein persönliches Erweckungserlebnis. Eigentlich
wollte er die katholische Kirche nicht verlassen, wenn er auch locker
mit einer in Paris aktiven Gruppe von Protestanten verbunden war. Im
Jahr 1534 löste er jedoch seine Bande zur Kirche von Rom und zog im
Angesicht der Verfolgung aller Protestanten unter Francis I von Paris nach
Stasbourg und weiter nach Basel. Hier schrieb er die erste Ausgabe
seiner Einleitungen in die christliche Religion. Nach einiger
Zeit in Ferrara in Italien lebte er in Genf. Hier entstanden viele
seiner Beiträge zur Erneuerung des Gottesdienstes durch das regelmäßige
Mahl Christi, Kirchen-Vorstand und Psalmengesang als Anbetung oder
Lobpreis.
Calvin wurde 1538 aus Genf vertrieben nach einem Disput mit dem
Stadtrat über die Eucharistie und lebte bis 1541 in Straßburg, wo er
eine protestantische Gemeinde leitete. In Genf arbeitete Cardinal
Jacopo Sadoleto daran, die Stadt wieder dem Katholizismus zuzuführen.
Doch nach der Verteidigungsschrift Calvins Antwort an Sadoleto
wurde er 1541 eingeladen, nach Genf zurückzukehren. Er inspirierte
den Magistrat, alle Facetten des religiösen Lebens neu zu
strukturieren. Hierbei war er geleitet von der Vorstellung, Kirche und
Staat sollten gemeinsam unter der Leitung von Jesus Christus leben.
Seine Vorstellung von einer utopischen christlichen Gesellschaft
machte Genf das "Rom des Protestantismus". Viele Ausländer studierten
Theologie an der von ihm 1559 gegründeten Akademie. So
verbreitete sich der Calvinismus in Form der
presbyterianischen Kirche (die presbyterian church ist bis
heute in den USA weit verbreitet) und in puritanischen Bewegungen
(Puritaner). Auch die Prädestinationslehre Calvins, die auf den Briefen
des Apostels Paulus beruht und nach welcher
Gott bestimmte Menschen zum Glauben beruft, andere nicht, wird oft als einer
der bestimmenden Anteile seiner Theologie gesehen.
Als Hintergrund für die Entwicklungen der Städte in Europa ist das
aufstrebende Kaufmannstum im Auge zu behalten. Reichtum war nicht länger
eine Frage des Landbesitzes, sondern der Handel wurde zum bestimmenden
Element. Jakob Fugger (1459-1525) pflegte ein Netz aus Handelsbüros
mit Hauptsitz in Augsburg und Nebenstellen in Rom, Lissabon, Budapest etc.
Reiche Banker-Familien verwalteten die erwirtschafteten Vermögen,
unter ihnen Herwarts, Hochstetters, Paumgartners, Grossembrots und
viele mehr. Solche verborgenen Kräfte bildeten ein Gegenstück zur Macht
des Kaisers und beeinflußten indirekt die Entstehung der neuen alten
Ideen über den christlichen Glauben.

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