
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

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Die Reformation in Deutschland 1517 n.Chr.
Zum Zeitpunkt der Reformation bestand Deutschland aus rund
300 unabhängigen Staaten. Sie alle ware verbunden unter
dem Kaiser des heiligen römischen Reiches. Auch wenn der
Papst vordergründig die Kontrolle ausübte, war die starke
nationalistische Struktur der Staaten und ihre
anti-päpstliche Einstellung doch eine offene Einladung
an die reformorientierten Kräfte jener Zeit.
Der Kristallisationspunkt für die Kritik an Rom war
der Verkauf von Ablaßbriefen. Der theologische Hintergrund
der Briefe bestand in der Lehre, daß die Kirche einen
Schatz an guten Werken verwalte, der durch die Heiligen
und Apostel angesammelt worden sei. Von diesem Schatz
können die Kirche jedem Kirchenmitglied abgeben, um
die Zeit zu verringern, die ein Christ im Fegefeuer
verbringen müßte, bevor er oder sie in den Himmel kommen
könne. Solche Ablässe konnten durch finanzielle
Zuwendungen erlangt werden, aber auch durch Einsatz
z.B. in einem Kreuzzug. Am Anfang des 16. Jahrhunderts
wurden solche Ablässe mit aggressivem Marketing
verkauft. Dem deutschen Dominikaner Johann Tetzel
wird der Werbespruch zugeschrieben: "Wenn die
Münze im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer
springt."
Martin Luther (1483-1546) war das älteste Kind eines
reichen Bergarbeiters und sollte nach dem Willen seines
Vaters Jura studieren. Nach spirituellen Krisen sah
sich Luther zum Leben im Kloster berufen. Doch seine
Suche nach innerem Frieden fand hier nicht ihr Ziel.
Die Mischung aus guten Werken, Bekenntnis der Sünden
und Selbstverleugnung brachte ihn Gott nicht nahe. Im
Jahr 1507 erfolgte eine große Kriese, nachdem er seine erste
Messe gelesen hatte und dabei seine eigene Sündhaftigkeit
in vollem Ausmaß wahrnahm. Die auf eine Reise nach Rom
1510 gesetzten Hoffnungen wurden zerstört, als Luther
den zynischen und weltlichen Lebensstil der Kirchenoberen
erkannte. Luther fand schließlich die Lösung seiner
Probleme in der Bibel, die ihm Gottes Vergebung in
Jesus Christus durch den Glauben unmittelbar zusprach.
So machte sich Luther daran, seinen Glauben neu auf
die Überlieferung des neuen Testaments zu gründen.
Luther glaubte an die Freiheit von Priestern, zu
heiraten, und vermählte sich 1525 mit einer ehemaligen
Nonne. Sie hatten sechs gemeinsame Kinder.
Luthers Theologie fußte auf Bibel und Glauben. Die
Zuspitzung zu sola scriptura (allein die Schrift
ist die Basis des Glaubens, nicht die Überlieferung
der Kirche) und sola fide (allein der Glaube
an Jesus kann einen Menschen vor Gott gerecht sprechen,
nicht seine Werke) basieren stark auf der Theologie
des Römerbriefes des Apostels Paulus. Die Überzeugungen
Luthers können auf dem Hintergrund des Zustandes der
Kirche seiner Zeit gut nachvollzogen und verstanden
werden. Sie haben zu einem Riß in der christlichen
Theologie zwischen katholischer und den evangelischen
Kirchen geführt, die bis heute fortbesteht und bei
der es erst zum Ausgang des 20. Jahrhunderts
vorsichtige Annäherung gibt.
Luther war der Überzeugung, daß die Bibel für jeden
Menschen verfügbar sein sollte, nicht nur für den
Klerus. Er grub auch die neutestamentliche Position
wieder aus, daß jeder Christ ein Priester ist, weil
er dazu bestimmt ist, die gute Nachricht von Jesus
an alle anderen Menschen weiterzugeben.
Die Positionen Luthers standen im krassen Widerspruch
zu 1000 Jahren Kirchengeschichte. Seiner Ansicht nach
tat er aber nicht mehr, als dem Kirchenschiff auf seinem
schiefen Kurs wieder eine neutestamentliche Richtung
zu geben. Bis heute haben die Entwicklungen um Luther
und weitere Reformer mit ähnlichen Ansichten die
westliche Christenheit zentral geprägt und zur
Entstehung der evangelischen Kirchen in Europa,
den USA, heute immer mehr auch in Afrika und Asien
geführt, deren Glauben mit vielen lutherischen
Elementen durchtränkt ist.
Am 31. Oktober 1517 nagelte Luther 95 Thesen an
die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg. Dieser öffentliche
Akt gilt bis heute als ein Startpunkt der Reformation.
Bei den Debatten fokussierte sich die Kirche auf
drei Anklagepunkte gegen Luther (These 5, 21 und 62):
1. die Authorität des Papstes, Sünden zu vergeben.
Luther war der Auffassung, daß der Papst nur
bekanntmachen könne, was Gott selbst durch Jesus
getan hätte. 2. Der Verkauf der Ablaßbriefe. Luther
verwarte sich dagegen, daß durch einen Ablaßbrief
ein Mensch frei von Schuld oder Strafe werden könne.
3. Der Schatz der Kirche. Luther sprach sich heftig
gegen die Meinung aus, der Schatz der Kirche bestünde
in den guten Werken der Heiligen. Stattdessen sei
der Schatz der Kirche das Evangelium von Jesus
Christus, die Botschaft von der Herrlichkeit und
Gnade Gottes durch seinen Sohn Jesus.
Die Fragen, die der Streit zwischen Luther und der
katholischen Kirche aufgeworfen hat, bleiben bis heute
wichtige theologische Grundfragen, die in unterschiedlicher
Zuspitzung immer wieder für viele Debatten sorgen und
welche die Christenheit weiter bewegen werden!

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