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Evangelium.de > lesen & informieren > Geschichte des Glaubens > Reformation: 1517-1648 n.Chr. > Reformation in Deutschland 1517 >


Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

 


Geschichte des Glaubens
  Anfänge: 4-70 n.Chr.
  Untergrundkirche: 70-312 n.Chr.
  Versuchung der Macht: 313-590 n.Chr.
  Bekehrung Europas: 590-1054 n.Chr.
  Kreuzzüge bis Renaissance: 1054-1517 n.Chr.
->Reformation: 1517-1648 n.Chr.
   Die Nationen Europas um 1500
 ->Reformation in Deutschland 1517
   Auseinandersetzungen um Martin Luther 1517-1550
   Krieg und seine Ergebnisse 1520-55
   Reformation in der Schweiz
   Radikale Reformer im 16. Jh
   Ausbreitung der Reformation
   Reformation in England im 16. Jh
   Puritanische Ideale und Amerika im 17. Jh
   Katholische Gegenreformation I
   Katholische Gegenreformation II
   Katholische Weltmission im 16.+17. Jh
   Der 30jährige Krieg 1618-48
  Aufklärung und Erweckung 1648-1776 n.Chr.
  Industrielle Revolution 1776-1914 n.Chr.
  Moderne Gesellschaft 1914 n.Chr. - heute
 

Die Reformation in Deutschland 1517 n.Chr.

Zum Zeitpunkt der Reformation bestand Deutschland aus rund 300 unabhängigen Staaten. Sie alle ware verbunden unter dem Kaiser des heiligen römischen Reiches. Auch wenn der Papst vordergründig die Kontrolle ausübte, war die starke nationalistische Struktur der Staaten und ihre anti-päpstliche Einstellung doch eine offene Einladung an die reformorientierten Kräfte jener Zeit.

Der Kristallisationspunkt für die Kritik an Rom war der Verkauf von Ablaßbriefen. Der theologische Hintergrund der Briefe bestand in der Lehre, daß die Kirche einen Schatz an guten Werken verwalte, der durch die Heiligen und Apostel angesammelt worden sei. Von diesem Schatz können die Kirche jedem Kirchenmitglied abgeben, um die Zeit zu verringern, die ein Christ im Fegefeuer verbringen müßte, bevor er oder sie in den Himmel kommen könne. Solche Ablässe konnten durch finanzielle Zuwendungen erlangt werden, aber auch durch Einsatz z.B. in einem Kreuzzug. Am Anfang des 16. Jahrhunderts wurden solche Ablässe mit aggressivem Marketing verkauft. Dem deutschen Dominikaner Johann Tetzel wird der Werbespruch zugeschrieben: "Wenn die Münze im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt."

Martin Luther (1483-1546) war das älteste Kind eines reichen Bergarbeiters und sollte nach dem Willen seines Vaters Jura studieren. Nach spirituellen Krisen sah sich Luther zum Leben im Kloster berufen. Doch seine Suche nach innerem Frieden fand hier nicht ihr Ziel. Die Mischung aus guten Werken, Bekenntnis der Sünden und Selbstverleugnung brachte ihn Gott nicht nahe. Im Jahr 1507 erfolgte eine große Kriese, nachdem er seine erste Messe gelesen hatte und dabei seine eigene Sündhaftigkeit in vollem Ausmaß wahrnahm. Die auf eine Reise nach Rom 1510 gesetzten Hoffnungen wurden zerstört, als Luther den zynischen und weltlichen Lebensstil der Kirchenoberen erkannte. Luther fand schließlich die Lösung seiner Probleme in der Bibel, die ihm Gottes Vergebung in Jesus Christus durch den Glauben unmittelbar zusprach. So machte sich Luther daran, seinen Glauben neu auf die Überlieferung des neuen Testaments zu gründen. Luther glaubte an die Freiheit von Priestern, zu heiraten, und vermählte sich 1525 mit einer ehemaligen Nonne. Sie hatten sechs gemeinsame Kinder.

Luthers Theologie fußte auf Bibel und Glauben. Die Zuspitzung zu sola scriptura (allein die Schrift ist die Basis des Glaubens, nicht die Überlieferung der Kirche) und sola fide (allein der Glaube an Jesus kann einen Menschen vor Gott gerecht sprechen, nicht seine Werke) basieren stark auf der Theologie des Römerbriefes des Apostels Paulus. Die Überzeugungen Luthers können auf dem Hintergrund des Zustandes der Kirche seiner Zeit gut nachvollzogen und verstanden werden. Sie haben zu einem Riß in der christlichen Theologie zwischen katholischer und den evangelischen Kirchen geführt, die bis heute fortbesteht und bei der es erst zum Ausgang des 20. Jahrhunderts vorsichtige Annäherung gibt. Luther war der Überzeugung, daß die Bibel für jeden Menschen verfügbar sein sollte, nicht nur für den Klerus. Er grub auch die neutestamentliche Position wieder aus, daß jeder Christ ein Priester ist, weil er dazu bestimmt ist, die gute Nachricht von Jesus an alle anderen Menschen weiterzugeben.

Die Positionen Luthers standen im krassen Widerspruch zu 1000 Jahren Kirchengeschichte. Seiner Ansicht nach tat er aber nicht mehr, als dem Kirchenschiff auf seinem schiefen Kurs wieder eine neutestamentliche Richtung zu geben. Bis heute haben die Entwicklungen um Luther und weitere Reformer mit ähnlichen Ansichten die westliche Christenheit zentral geprägt und zur Entstehung der evangelischen Kirchen in Europa, den USA, heute immer mehr auch in Afrika und Asien geführt, deren Glauben mit vielen lutherischen Elementen durchtränkt ist.

Am 31. Oktober 1517 nagelte Luther 95 Thesen an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg. Dieser öffentliche Akt gilt bis heute als ein Startpunkt der Reformation. Bei den Debatten fokussierte sich die Kirche auf drei Anklagepunkte gegen Luther (These 5, 21 und 62): 1. die Authorität des Papstes, Sünden zu vergeben. Luther war der Auffassung, daß der Papst nur bekanntmachen könne, was Gott selbst durch Jesus getan hätte. 2. Der Verkauf der Ablaßbriefe. Luther verwarte sich dagegen, daß durch einen Ablaßbrief ein Mensch frei von Schuld oder Strafe werden könne. 3. Der Schatz der Kirche. Luther sprach sich heftig gegen die Meinung aus, der Schatz der Kirche bestünde in den guten Werken der Heiligen. Stattdessen sei der Schatz der Kirche das Evangelium von Jesus Christus, die Botschaft von der Herrlichkeit und Gnade Gottes durch seinen Sohn Jesus.

Die Fragen, die der Streit zwischen Luther und der katholischen Kirche aufgeworfen hat, bleiben bis heute wichtige theologische Grundfragen, die in unterschiedlicher Zuspitzung immer wieder für viele Debatten sorgen und welche die Christenheit weiter bewegen werden!


   

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