
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

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Die Nationen Europas zum Beginn der Reformation
Zum Beginn des 16. Jahrhunderts hatte das westliche
Christentum viele Stürme durchgestanden, die während
des Mittelalters über die Menschen und Strukturen
hinweggefegt waren. Der Islam breitete sich weiter
in Afrika und Asien aus. Die Authorität des Papstes
aber war ungebrochen und nach den Versuchen
diverser Konzilien, eine breitere Basis zu schaffen,
eher gestärkt. Das Zeitalter der Entdeckungen hatte
begonnen und bald würden katholische Missionare
auf dem ganzen Erdball den Glauben an Jesus und
die katholische Kirche predigen.
Doch viele grundlegende Probleme der Kirche blieben
ungelöst. Lokale Gemeinden hatten lange unter
Ignoranz, fehlender Betreuung und der ungenügenden
Bildung des Klerus gelitten, wobei die bürgerliche
Bildung jener Zeit stark zunahm und somit die
Erscheinung der Kirche die Erwartungen vieler
Christen nicht mehr befriedigen konnte. Der Bedarf
an Finanzen in der Kirche führte zu den Praktiken
des Verkaufs von Kirchenbüros und zum Ablaßhandel,
bei dem ein Mensch sich die göttliche Zuwendung
durch finanzielle Gaben erkaufen konnte. Auf diese
Weise wurde die christliche Botschaft von der
freien Gnade Gottes in Jesus pervertiert.
In Italien
verarbeitete Machiavelli die Erfahrungen mit der
Kirche in seiner Machtphilosophie: "Wir Italiener
sind irreligiöser und korrupter als andere, denn
die Kirche und ihre Vertreter haben uns das
schlechteste Beispiel gegeben."
Die kirchlichen Praktiken jener Zeit wurden von nicht
wenigen Bürgern kritisiert und zum Teil heftig
angegriffen. Desiderius Erasmus (ca 1466 - 1536)
war ein solcher Mensch. Erasmus war ein Theologe,
Gelehrter und Author vieler populärer Bücher. Er
griff den armseligen Zustand der Kirche mit Witz
und intellektueller Schlagkraft an. Er suchte auch,
durch Studium von Hebräisch und Griechisch eine bessere
Grundlage für theologisches Denken zu erhalten.
Er verabscheute Gewalt und wollte die Kirche zu
einer Bewegung des gesunden Menschenverstandes
machen. Aber Europa sehnte sich nach weiterreichenden
Reformen, so half das Wirken des Erasmus, den
Weg für die Reformation zu bereiten.
Erasmus war bei all dem ein tiefgläubiger Christ.
Er schrieb: "Ich wünsche, daß die heilige Schrift
in alle Sprachen übersetzt wird. Ich sehne mich
danach, daß der Bauer und Arbeiter sie
singt, wenn er hinter dem Flug geht, daß der
Weber sie summt zum brummen seines Webstuhls,
daß der Reisende die MÜdigkeit seiner Reise
mit ihr überbrückt."
Bis zum Jahr 1517 entstand eine Druckindustrie,
welche die massenhafte Verbreitung von Schriften
und Texten ermöglichte. Sie war der technologische
Hintergrund der Reformation, denn eine breite Masse
von Menschen konnte innerhalb von Wochen die
Schriften der Reformer gedruckt lesen. Während
Luther die Stimme der Reformation werden sollte,
war Albrecht Dürer (1471-1528) ihre
künstlerische Seele. Dürer war in Nürnberg geboren,
studierte Kunst in Italien und wirkte dann in
seiner Geburtsstadt, wo er viele Innovationen
einführte bei der künstlerischen Arbeit mit Licht
und Schatten bei Gravuren aus Holz und Kupfer.
Während ein allgemeiner Geist der Unruhe und
des Aufbruchs Europa ergriff, bemühten sich die
Monarchen der Königtümer und Staaten um Kontrolle
ihrer Gebiete. Ihr Wille zu Macht und Einfluß
bildete eine wachsende Herausforderung für die
Rolle des Papstes und sollte schließlich ein
wesentlicher Bestandteil der Reformation werden.
In Frankreich konsolidierte Karl VIII
(1483-98) seine Macht und versuchte, zur
führenden Europäischen Nation zu werden. Er griff
Italien an und ließ sich 1494 zum König von
Neapel krönen. Im Jahr 1516 war die französische
Macht so stark, daß Papst Leo X den französischen
König Francis I zum unabhängigen Führer der
französischen Kirche machte.
In Spanien wurde im Jahr 1492 Granada von den
Muslimen zurückerobert. Mit der Heirat von
Isabella von Kastilien mit Ferdinand von Aragon
wurde die sogenannte "katholische Monarchie"
etabliert, welche mit dem Hilfsmitte der
Inquisition eine eiserne Herrschaft umsetzte.
Im heiligen römischen Reich blieben die Herrscher
Maximilian (1493-1519) und Karl V. (1519-56)
der katholischen Kirche treu. Doch anti-päpstliche
Ressentiments grassierten überall unter den
führenden Klassen. Die Niederlande versuchten
in einem langen und bitteren Streit, sich von
der katholischen Kirche und der spanischen
Monarchie zu befreien. Auch in Skandinavien
wuchs der Unmut über Rom. Doch die stärkste
Bewegung gegen die Korruption und Authorität
des Papstes entstand in Deutschland, der
Schweiz, Frankreich und England, wo die
zentralen Reformer und Herrscher die weitere
Entwicklung der Christenheit in wichtigen
Punkten beeinflussen sollten.

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