
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

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Kirche zwischen musikalischen Höhenflügen und intellektueller Defensive
Als Mitte des 18. Jahrhunderts die neuen Trends des Denkens, das durch
die Aufklärung geprägt wurde, um sich griffen, gerieten die christlichen Kirche
in vielem in die Defensive. Eine Mischung aus intellektuellen und
gesellschaftlichen Entwicklungen trug dazu bei. Kritik am Deismus kam
von allen Richtungen - aus der christlichen und weltlichen gleichermaßen.
Während Christen den Glauben an Jesus, den Mensch gewordenen Sohn Gottes,
verteidigten, griffen weltliche Philosophen den Glauben an ein höheres
Wesen an, unter ihnen Voltaire, Rousseau und Immanuel Kant.
Einer der einflußreichsten Führer des Zeitalters war der preußische König
Friedrich der Große (1712-86). Er hielt nicht viel von der Religion -
jeder Glaube schien ihm absurd. Doch er vertrat eine Grundhaltung der
Toleranz gegenüber den Religionsgemeinschaften und hatte hohen Respekt für
die Philosophie, so daß er etwa Voltaire als Gast in sein Haus einlud.
"Jeder müsse nach seiner Facon selig werden," war die Grundüberzeugung
Friedrichs des Großen.
Einer der führenden Kritiker klassischen Christentums wr Gotthold Ephraim
Lessing, Gelehrter, Author, Kritiker und Dichter. Seine sichtweise der
Religion war moralistisch, er sah die Lehre über die Tatsachen
(theologische Dogmen) nicht als zentral für den Glauben an und er meinte,
historische Tatsachen würden die Religion nicht beweisen, deren Verständnis
durch die Geschichte sich verändern und zunehmen würde. Er sprach sich
für eine kritische Untersuchung der biblischen Schriften aus und wurde so
zu einem der Wegbereiter moderner liberaler Theologie des nachfolgenden
Jahrhunderts.
Im achtzehnten Jahrhundert erlebte die Kirchenmusik einen
großen Boom. Kirchenlieder, Motetten, Psalmen und verschiedenste
Arrangements wurden praktiziert und geliebt. Die Komponisten hatten
zum Ziel, die Menschen immer mehr in die Anbetung Gottes hineinzuführen.
Es entstanden Kirchenchöre und Orchester. In Venedig wurde die
Musik von Monteverdi oder Gabrieli gespielt. Johann Sebastian Bach
(1685-1750)
und die ganze Bach Familie schuf musikalische Zeugnisse des Glaubens,
die bis heute die Jahrhunderte überragen. Georg Friedrich Händel
(1685-1759) schrieb etwa seinen Messias. Genies wie Wolfgang
Amadeus Mozart (1756-91), mit katholischen Wurzeln, begeisterte Fürsten
ebenso wie die Massen.
Das 18. Jahrhundert war eine Zeit der absoluten Monarchen.
Peter der Große (1682-1725) in Russland ernannte sich selbst
zum Leiter der russischen Kirche. Ähnliches geschah in anderen
europäischen Nationen. Die katholischen und evangelischen Kirchen
waren in vielem dem Staat eingegliedert und das religiöse Leben
der Menschen wurde von den Herrschern geregelt. Am Vorabend der
französischen Revolution waren fast alle Bischöfe in Frankreich
Aristokraten. Der letzte Premierminister von Frankreich, obwohl er
ein bekannter Atheist war, wurde Erzbischof von Toulouse und ein Kardinal.
Doch König Louis XVI weigerte sich, ihn zum Erzbischof von Paris zu
ernennen mit der Begründung, der Leiter der Kirche von Frankreich
solle doch wenigstens an Gott glauben. Der Papst hatte auf all
dieses wenig Einfluß. Im Jahr 1773 mußte der Papst unter dem Druck
der Fürsten Europas sogar den
Jesuiten-Orden auflösen und verlor damit eines seiner wichtigsten
Instrumente. Doch auch in den protestantischen Kirchen
Deutschlands lief vieles nicht besser und in nicht wenigem konnten
sie mehr als ein Teil des weltlichen Staates gesehen werden
denn als christliche Kirchen. Die religiösen Führer wurden nicht
wegen ihrer Treue zu Jesus Christus ausgewählt, sondern wegen ihrer
Treue zu den jeweiligen Fürsten.
Für die meisten Menschen änderte sich das Leben jedoch zunächst
wenig. Die normalen Kirchenmitglieder bekamen von den philosophischen
Diskussionen wenig mit. Der Katholizismus blieb eine Religion, die
durch Zeremonien, öffentlichen Messen und privates Gebet bestimmt
waren, während die protestantische Frömmigkeit sich Laien-orientiert,
von Studium der Bibel bestimmt und auf das eigene Heim konzentriert
entwickelte - dazu mehr im kommenden Abschnitt, wenn es um die
Erweckungsfeuer des reifer werdenden Protestantismus geht.

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