zur Hauptseite
zur Hauptseite ###PrintVersionText###HauptseiteSitemapImpressum
Evangelium.de > lesen & informieren > Geschichte des Glaubens > Aufklärung und Erweckung 1648-1776 n.Chr. > Deismus und die Gottesfrage >


Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

 


Geschichte des Glaubens
  Anfänge: 4-70 n.Chr.
  Untergrundkirche: 70-312 n.Chr.
  Versuchung der Macht: 313-590 n.Chr.
  Bekehrung Europas: 590-1054 n.Chr.
  Kreuzzüge bis Renaissance: 1054-1517 n.Chr.
  Reformation: 1517-1648 n.Chr.
->Aufklärung und Erweckung 1648-1776 n.Chr.
   Die Aufklärung beginnt - ab 1648
 ->Deismus und die Gottesfrage
   Jansenismus, Pascal, Quietismus im 17. Jh
   Arminianismus und Pietismus und der Glaube
   Kirche zwischen Höhen und Defensive
   Erweckungen: Wesley, Brüder, Methodisten
   Erste große Erweckung in Amerika 1740
   Orthodoxe Kirchen in der Aufklärung
  Industrielle Revolution 1776-1914 n.Chr.
  Moderne Gesellschaft 1914 n.Chr. - heute
 

Der Deismus und die Frage: wer ist Gott?

Die Aufklärung geht einher mit der Reifung einer geistigen Strömung, die als Deismus bezeichnet wird. Der Deist glaubt an Gott, ja er sieht in Gott den Schöpfer des Universums. Doch der Deist glaubt nicht daran, daß dieser Gott aktiv und tätig in der Weltgeschichte und direkt im Leben einzelner Menschen wirkt. Der Deist glaubt nicht daran, daß Gott in Jesus Christus Mensch wurde, um die Menschen mit sich zu versöhnen. Der Deist glaubt - das unterscheidet ihn vom Christen - nicht daran, daß Jesus Christus sein persönlicher Retter und Herr ist.

Der Empirismus und Rationalismus fand seinen Einzug in die Kirche in Form des Deismus. Nicht wenige der frühen Naturforscher und Philosophen des 17. und 18. Jahrhunderts glaubten an Gott, an ein intelligentes und oberstes Wesen, das die Welt in ihrer Komplexität und Schönheit geschaffen hat. Doch dieses Wesen schuf, so die Vorstellung, an erster Stelle die Naturgesetze, die jetzt für den Ablauf der Ereignisse verantwortlich sind. Gott ist also weit entfernt von der Menschheit und dem einzelnen Menschen, er ist der erste Beweger, die "erste Ursache" aller dann folgenden Ursachen. So widmeten sich die Forscher dann der Untersuchung eben jener Gesetze und Zusammenhänge, die Gott der Welt gegeben hat.

John Locke (1632-1704), der als Vater der Aufklärung gilt, war ein Christ mit starken deistischen Tendenzen. Er glaubte daran, daß a) Jesus der Messias gewesen ist und b) daß der Christ in Einklang mit seinen Lehren leben soll. John Locke glaubte an die Vernünftigkeit des Glaubens ("The reasonableness of Christianity" 1695), er war der Überzeugung, daß der Glaube nie dem widerspricht, was die Vernunft uns offenbart. Ferner glaubte er an die Freiheit der Religionsausübung. Diese Freiheit forderte er bis hinein in die konkrete Praxis des Glaubenslebens. Obwohl er den christlichen Glauben zu verteidigen suchte, inspirierte seine Theologie doch mehr die Deisten als die Christen.

Auch die Werke von Isaak Newton (1642-1727), Mitglied der Kirche von England und ein Christ, der in Jesus den Retter sah, der von Gott für die Erlösung der Menschheit geschickt worden war, unterstützten den Deismus. Newton glaubte nicht an die Göttlichkeit Jesu. Für ihn war Beobachtung und Erfahrung der einzige Weg zu wirklichem oder wahrem Wissen. Seine Auffassungen über die Naturgesetze sollten die deistischen Philosophen in seiner Nachfolge stark beeinflussen.

Voltaire (1694-1778) war einer der großen Gegner der katholischen Kirche. Er wurde von den Werken von Locke und Newton beeinflußt und wandte sich in seinen Werken gegen die Existenz eines guten und allmächtigen Gottes, ferner gegen jede Form orthodoxen (wie katholischen, lutherischen etc) Christentums. "Ich glaube an Gott, nicht an den Gott der Mystiker und Theologen, sondern an den Gott der Natur, den großen Geometer, den Architekten des Universums, den ersten Beweger, unveränderbar, transzendental, ewig." schreibt Voltaire.

Der Einfluß von Jean-Jacques Rousseau (1712-78) brachte ebenfalls einen starken antichristlichen Impuls. Rousseau war als Calvinist aufgewachsen, wandte sich dann aber dem Deismus zu und schließlich der Natur. Seine Gedanken waren eine wichtige Grundlage für die Revolutionen, die bald Frankreich und die USA erschüttern sollten. Rousseau lehrte, daß die Gesellschaft einen kollektiven eigenen Willen (volonte general) habe, der unabhängig und frei von jeder göttlichen Offenbarung sei, und gegen den die Rechte des Individuums zurückstehen müßten. "Der allgemeine Wille ist in jedem Individuum ein Akt des Verstandes, der, wenn die Leidenschaften schweigen, darüber nachdenkt, was der Mensch von seinesgleichen fordern kann und was seinesgleichen von ihm zu fordern berechtigt ist." (Diderot) Hier vollzieht sich eine Ablösung des göttlichen Gesetzes durch rein menschliche oder gesellschaftliche Kategorien, welche die gesamte Neuzeit an zentraler Stelle prägen. Gott, so glaubte Rousseau, kann man nicht näher kennenlernen. Gleichzeitig sieht Rousseau die Religion in einer Gesellschaft in einer wichtigen Funktion zur Motivation und Harmonisierung des Zusammenlebens. Auch hier hat aber das überlieferte oder aktuelle "Wort Gottes", dem die Reformatoren und die Kirche folgten oder zu folgen vorgaben, längst seine Stellung verloren und es ist die Vernunft, welche die Herrschaft angetreten hat. Über die Vernunft und ihre Rolle werden wir noch weiter nachzudenken haben.


   

Evangeliumsnetz Home | Neu&Aktuell | Lesen&Informieren | Mitreden&Diskutieren | Dienste&Verzeichnisse | Kontakt&Kennenlernen
anker.com | hilfswerke.de | auftanken.de | schrei.de | biblechat.de | gebetsanliegen.de | jugendcenter.de

  © Evangeliumsnetz e.V., Deutschland