
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

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Die Aufklärung beginnt - die Zeit seit 1648
Die Reformer des 16. und 17. Jahrhunderts hatten ein Ziel, daß sie mit allen
Reformern der Kirchengeschichte vereint. Sie wollten die Menschen von den
Verwirrungen mancher kirchlichen Praktiken befreien und sie näher zu Gott
bringen, näher zu Jesus Christus, dem Heiland, Retter und Erlöser. Dabei
wurde heftig gerungen um die Freiheit, den eigenen Glauben zu bekennen, die
Kirche zu kritisieren und den Weg Gottes zu suchen. Auf diesem Hintergrund
entstand nach der Beendigung der blutigen Konflikte um Macht und Glauben
eine Zeit der Vergewisserung und Kritik genau dieses überlieferten Glaubens.
Wo Kritik und Suche nach der Wahrheit möglich wurde, da konnte der Glaube
eines jeden in Frage gestellt werden, da mußte neu nach dem gesucht werden,
was verläßlich und vernünftig ist. Es ist eine innere Logik, die auf die
Zeit der Reformation und Glaubenskämpfe die Aufklärung folgen läßt.
Die Aufklärung entfaltet ihre Kräfte erst im 18. Jahrhundert in voller
Blüte. Doch schon in der Zeit nach dem 30jährigen Krieg wurden die Grundlagen gelegt,
auf dem diese Entwicklung möglich war. Anders als in der Zeit vor der Reformation
gab es jetzt wieder Denker, welche Wissen nicht auf der Basis der christlichen
Überlieferung suchten, sondern die ein säkulares (weltliches) System der
Welterklärung aufbauten. Die Rolle Gottes und die Rolle der Kirche wurde damit
wesentlich verändert für das Denken und für das gesellschaftliche Leben.
Es gab zwei wichtige philosophische Schulen, welche die europäische Entwicklung
beeinflussen sollten. In England waren dies die Empiristen, die alle Dinge
auf der Basis jener Informationen erklärten, die wir durch unsere Sinne
empfangen. In Deutschland und Frankreich versuchten die Rationalisten
die Welt als eine Art Mathematik zu behandeln, in der alles von grundlegenden
Prinzipien mit Hilfe der Vernunft abgeleitet werden konnte. Führende
Empiristen waren John Locke (1632-1704), Georg Berkeley (1685-1753)
und David Hume (1711-76). Hume führte den Empirismus in voller
Konsequenz aus und zeigte, daß die Hinterfragung von Erfahrungen letztlich
zum Skeptizismus führt. Die Kritik der Erfahrung beeinflußte viele
seiner Zeitgenossen stark und führte u.a. zu Zweifel an den übernatürlichen
Aspekten des christlichen Glaubens und der christlichen Überlieferung.
Rationalisten waren etwa Rene Descartes (1596-1650), Baruch Spinoza
(1632-77) und Gottfried Leibnitz (1646-1716). Die Entwicklung mündet
schließlich Jahre später in der Kritik der reinen Vernunft von Immanuel
Kant (1724-1804), der mit Hilfe seiner Kritik von Erfahrung und Denken
den Rationalismus und den Empirismus wieder zusammenführt. Durch die Kritik
des Denkens selbst schafft Kant den bis heute in der Regel unbezweifelten
Konsens in der intellektuellen Welt, daß Gott nicht beweisbar ist. Es ist
interessant zu beobachten, daß die Begründer der beiden Schulen Christen waren
- Descartes, Locke und Berkeley glaubten der christlichen Lehre. Aber viele
weitere Denker entwickelten die Theorien ohne oder in Feindschaft gegenüber
dem Christentum. Locke sah sich als Christ, vertrat jedoch eher "deistische"
Ansichten, dazu mehr im folgenden Abschnitt.
Einer der bekanntesten frühen Aufklärer war Francis Bacon (1561-1626).
Bacon war ein hingegebener Christ, der sein Leben der wissenschaftlichen
Untersuchung der Natur widmete. Er war der Überzeugung, daß induktives
Denken, welches seine Schlußfolgerungen aus einer Fülle verschiedener
Beobachtungen nimmt, die einzige verläßliche Basis sei, um etwas über die
Natur und die Welt um uns her zu wissen. Die Basis für Denken und Wissen löst
sich mit Bacon von der Überlieferung - sei es philosophische Tradition
oder christliche Lehre - hin zu einer naturwissenschaftlich geprägten
Erkenntnistheorie. Bacon beeinflußte damit stark den frisch aufkeimenden
Empirismus.

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