
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

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Blühende Spiritualität - die orthodoxen Kirchen im 19. Jahrhundert
Das 19. Jahrhundert war ein großes Jahrhundert für die orthodoxen
Kirchen in Russland und Osteuropa. Es blühte die orthodoxe Spiritualität
und Literatur. Im Süden Europas befreide der Untergang des ottomanischen
Reiches die Kirchen Griechenlands und des Balkans.
Die Grenzen des ottomatischen Reiches wurden im neunzehnten Jahrhundert
schrittweise nach Süd-Westen verschoben. So erlangten nach und nach
nationale Kirche ihre Unabhängigkeit von dem Patriarchen von Konstantinopel.
Sie folgten damit der Russischen Kirche, die schon 1453 unabhängig geworden
war. Der Patriarch behielt den Titel eines ökumenischen Patriarchen und
war nominell der Senior unter den Patriarchen, doch nach bitterem
Streit war er gezwungen, die Macht über die Kirchen Osteuropas aufzugeben.
Die Kirche Griechenlands wurde 1833 etabliert, die Kirche Rumäniens 1864.
Die nationalen Kirchen von Bulgarien und Serbien erhielten ihre
Unabhängigkeit 1871 and 1879.
Bei all dem veränderte sich die allgemeine Praxis all dieser orthodoxen
Kirchen kaum - nur ihr Verhältnis zum Patriarchen von Konstantinopel
wurde neu geordnet. Die Orthodoxe Kirche behielt den einen orthodoxen
christlichen Glauben und eine weitgehend homogene Struktur. Die
neue nationale Ausrichtung der Kirchen führte sie allerdings oft in
die Unterstützung von Nationalismus und gelegentlich in die Unterdrückung
von Minderheiten.
Die Verbindung von Kirche und Nation war am stärksten in Russland. Hier
berührte das Christentum jeden Aspekt des täglichen Lebens - doch die Kirche
war auch dem Staat unterstellt und stark beeinflußt durch die Politik.
Sie gab ihren Segen für alle möglichen staatlichen Schritte und Akte,
bis hin zur Verfolgung von Minderheiten wie Juden oder Katholiken. Der
Name des Christentums wurde so zum Teil verbunden mit Ungerechtigkeit
und Fremdenhaß. Die stärke der russischen Kirche dieser Zeit kam nicht
von ihrer Führung, sondern von den einzelnen Mitgliedern, dem tiefen
Glauben der Bauern, der zeitlosen Schönheit der orthodoxen Liturgie,
den Ältesten der Kirchen und vielen Einsiedlern und Mönchen, welche
den Menschen spirituelle Führung und Vorbild waren.
Einer der einflußreichsten Hermiten des 19. Jahrhunderts in Russland war
St. Seraphim von Sarov (1759-1833). Er trat mit 19 dem Kloster
von Sarov bei und zog sich mit 35 in die Abgeschiedenheit zurück. Ihm
wird nachgesagt, bis zum Alter von 56 die Zahl von 1000 aufeinanderfolgenden
Nächten im Gebet verbracht zu haben, dann öffnete er sich als
Ratgeber und Freund für Besucher. Er heilte Kranke, hatte oft mehr als
100 Besucher am Tag und man sagt, er konnte Fragen beantworten bevor
sie gestellt worden waren. "Wenn der Geist Gottes herabkommt auf einen
Menschen und ihn mit der Fülle seiner Gegenwart bedeckt, dann fließt
die Seele dieses Menschen über von unaussprechlicher Freude, denn der
heilige Geist füllt mit Freude all das, was er berührt."
Fyodor Michael Dostoevsky (1821-81) war einer der genialsten
Autoren der reichen russischen Geschichte. Seine Romane reflektieren
die üble Geschichte der Unterdrückung, welche Russland erlebt hat. Und
er beschreibt Erlösung von den Leiden dieser Welt durch den Weg
Jesu Christi ans Kreuz. Die bekannten Werke Dostoevsky's skizzieren,
wie sehr Gott in der Welt gebraucht wird und wie unvollständig
menschliche Beziehungen und Institutionen sind.
Die innere Erneuerung der orthodoxen Kirche führte zu einer starken
missionarischen und evangelistischen Aktivität. John Veniaminov
(1797-1879) arbeitete 40 Jahre lang in den Aleuten und in Sibirien,
bevor er im Alter von 70 Erzbischof von Moskau wurde. Er versuchte
in dieser Position jedes Mitglied der russischen Kirche davon zu
überzeugen, den Glauben an alle Menschen weiterzugeben. Russische
Christen gründeten Kirchen in fast allen Teilen Asiens, von den
großen Gebirgen Zentralasiens bis nach Japan und China. Gleichzeitig
stieß die Korruption und der Reichtum der mit dem Staat verbundenen
Kirche viele Menschen ab und Intellektuelle wie Tolstoy distanzierten
sich von der Kirche.

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