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Evangelium.de > lesen & informieren > Geschichte des Glaubens > Industrielle Revolution 1776-1914 n.Chr. > Englische Reformer und Kierkegaard >


Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

 


Geschichte des Glaubens
  Anfänge: 4-70 n.Chr.
  Untergrundkirche: 70-312 n.Chr.
  Versuchung der Macht: 313-590 n.Chr.
  Bekehrung Europas: 590-1054 n.Chr.
  Kreuzzüge bis Renaissance: 1054-1517 n.Chr.
  Reformation: 1517-1648 n.Chr.
  Aufklärung und Erweckung 1648-1776 n.Chr.
->Industrielle Revolution 1776-1914 n.Chr.
   Amerika zu beginn der industriellen Revolution
   Kirche in Frankreich um 1789
   Liberale Theologie und Romantizismus im 19.Jh
 ->Englische Reformer und Kierkegaard
   Zeit der intensiven Mission im 19. Jh
   Zweite Große Erweckung in Amerika 1795-1830
   Blühende Spiritualität - orthodoxe Kirchen im 19.Jh
   Industrialisierung und Glaube ab 1850
   Soziales, Heilsarmee, YMCA u.v.m 1840-1900
   Weltevangelisation 1860: Livingstone, Taylor
   Weltevangelisation bis 1914: Bibeln, Wachstum, Leiterschaft
   Rom in seiner Blüte 1848-1914
   20. Jahrhundert beginnt: Liberale, Orthodoxe, Fundamentalisten, Pfingstler
  Moderne Gesellschaft 1914 n.Chr. - heute
 

Englische Reformer und der Existenzialismus Kierkegaards im frühen 19. Jahrhundert

Die Kirche Englands wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von einer Reihe von weitreichenden Reformern beeinflußt. Der evangelikale Christ William Wilberforce (1759-1833) führte eine Kampagne gegen die Sklaverei und den Sklavenhandel, der schließlich im Jahr 1807 verboten wurde. Im Jahr 1833 wurde schließlich die Sklaverei in England vollständig abgeschafft.

Eine Reihe von sozialen Reformen wurden u.a. von Earl of Shaftesbury vorangetrieben. Er leitete eine Bewegung der Barmherzigkeit, welche zur Änderung von Gesetzen für Geisteskranke, Arme und Kinder führte. Der Kampf um soziale Reformen wurde von den Mitgliedern der Oxford Movement vorangetrieben, welche die katholischen Traditionen in die Church of England zurückbringen wollten.

Anfang des 19. Jahrhunderts mußten viele Kinder bis zu 16 Stunden am Tag arbeiten, dieses 6 Tage die Woche. Eine Chance auf Bildung hatten sie nicht. So kam es zur Bildung der Sonntagsschulen. Dort sollten arme Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Die Schulen unterrichteten die Kinder auch in der Bibel, aus der die Kinder das Lesen lernten, und beinhalteten den Besuch eines Gottesdienstes. Die erste Sonntagsschule gab es 1780 in England. Die Schulen wurden schnell populär unter Robert Raikes (1735-1811) und im Jahr 1851 gab es schon zwei Millionen englische Sonntagsschulkinder. Die Sonntagsschule verbreitete sich rasch über Europa und die Vereinigten Staaten.

Führende Köpfe der Oxforder Bewegung waren John Keble und Edward Pusey, ihr prominentester Denker war John Henry Newman (1801-90). Zwischen 1845 und 1862 verließen durch Einfluß dieser Bewegung 250 Mitglieder des Klerus die Kirche von England und wurden katholisch, so auch 1845 John Newman. Newman wurde schließlich 1879 zum Kardinal geweiht. Er war berühmt für seine Gelehrsamkeit und schrieb brilliant über den Grund des Glaubens und die Entwicklung der christlichen Lehre. Newman beschäftigte sich intensiv mit dem Verhältnis von Vernunft, Vorstellungskraft, Gefühl und Glaube. Er war sich gleichzeitig der Grenzen des menschlichen Wissens bewußt als auch ein Verteidiger der Vernunft. Sein Einfluß war enorm: das zweite vatikanische Konzil im Jahr 1962 wurde auch als "Konzil von Newman" bezeichnet, weil die Ideen Newmans hier die ganze katholische Kirche erreichten. Als Mann großer persönlicher Frömmigkeit schrieb Newman, daß "wahre Religion ein verborgenes Leben im Herzen" sei.

Anfang des 19. Jahrhunderts lebte in Dänemark ein öffentlichkeitsscheuer Denker, der die westliche Philosophie stark beeinflussen sollte. Soren Kierkegaard (1813-55) war durch viele Krankheiten geprägt und litt an Gefühlen von Unzulänglichkeit und Schuld. So kam er zum Christentum, fand jedoch heraus, daß das gemeinsame Rezitieren von Glaubensbekenntnissen und die Teilnahme an Sakramenten wenig mit der vollen Erfahrung christlichen Glaubens zu tun habe. Gott erfuhr Kierkegaard als den "ganz anderen". Kierkegaard verband den christlichen Glauben mit eine "Sprung des persönlichen Glaubens", der bei Kierkegaard wenig mit objektiver Wahrheit oder religiösem Dogma zu tun hatte. Er unterschied drei Sphären der Existenz:

  1. die Ästhetik, wo ein Mensch für den Augenblick lebt, doch nie ganz erfüllt werden kann,
  2. die Ethik, wo ein Mensch ein gutes Leben zu führen versucht, doch frustriert feststellt, daß er oder sie nicht gut sein kann, und
  3. die religiöse Sphäre, wo der einzelne seine Unvollständigkeit bemerkt, bevor er oder sie sich nicht voll und ganz dem vollkommenen Willen Gottes ausgeliefert und eingeordnet hat.


   

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