
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

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Englische Reformer und der Existenzialismus Kierkegaards im frühen 19. Jahrhundert
Die Kirche Englands wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von einer Reihe von
weitreichenden Reformern beeinflußt. Der evangelikale Christ William Wilberforce
(1759-1833) führte eine Kampagne gegen die Sklaverei und den Sklavenhandel, der
schließlich im Jahr 1807 verboten wurde. Im Jahr 1833 wurde schließlich die
Sklaverei in England vollständig abgeschafft.
Eine Reihe von sozialen Reformen wurden u.a. von Earl of Shaftesbury
vorangetrieben. Er leitete eine Bewegung der Barmherzigkeit, welche zur
Änderung von Gesetzen für Geisteskranke, Arme und Kinder führte. Der Kampf
um soziale Reformen wurde von den Mitgliedern der Oxford Movement
vorangetrieben, welche die katholischen Traditionen in die Church of
England zurückbringen wollten.
Anfang des 19. Jahrhunderts mußten viele Kinder bis zu 16 Stunden am
Tag arbeiten, dieses 6 Tage die Woche. Eine Chance auf Bildung hatten sie
nicht. So kam es zur Bildung der Sonntagsschulen. Dort sollten
arme Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Die Schulen unterrichteten
die Kinder auch in der Bibel, aus der die Kinder das Lesen lernten, und
beinhalteten den Besuch eines Gottesdienstes. Die erste Sonntagsschule
gab es 1780 in England. Die Schulen wurden schnell populär unter
Robert Raikes (1735-1811) und im Jahr 1851 gab es schon zwei Millionen
englische Sonntagsschulkinder. Die Sonntagsschule verbreitete sich rasch
über Europa und die Vereinigten Staaten.
Führende Köpfe der Oxforder Bewegung waren John Keble und Edward Pusey, ihr
prominentester Denker war John Henry Newman (1801-90). Zwischen 1845
und 1862 verließen durch Einfluß dieser Bewegung 250 Mitglieder des Klerus
die Kirche von England und wurden katholisch, so auch 1845 John Newman. Newman
wurde schließlich 1879 zum Kardinal geweiht. Er war berühmt für seine
Gelehrsamkeit und schrieb brilliant über den Grund des Glaubens und die
Entwicklung der christlichen Lehre. Newman beschäftigte sich intensiv mit
dem Verhältnis von Vernunft, Vorstellungskraft, Gefühl und Glaube. Er
war sich gleichzeitig der Grenzen des menschlichen Wissens bewußt als auch
ein Verteidiger der Vernunft. Sein Einfluß war enorm: das zweite vatikanische
Konzil im Jahr 1962 wurde auch als "Konzil von Newman" bezeichnet, weil
die Ideen Newmans hier die ganze katholische Kirche erreichten. Als Mann
großer persönlicher Frömmigkeit schrieb Newman, daß "wahre Religion ein
verborgenes Leben im Herzen" sei.
Anfang des 19. Jahrhunderts lebte in Dänemark ein öffentlichkeitsscheuer
Denker, der die westliche Philosophie stark beeinflussen sollte. Soren
Kierkegaard (1813-55) war durch viele Krankheiten geprägt und litt
an Gefühlen von Unzulänglichkeit und Schuld. So kam er zum Christentum,
fand jedoch heraus, daß das gemeinsame Rezitieren von Glaubensbekenntnissen
und die Teilnahme an Sakramenten wenig mit der vollen Erfahrung
christlichen Glaubens zu tun habe. Gott erfuhr Kierkegaard als den
"ganz anderen". Kierkegaard verband den christlichen Glauben mit eine
"Sprung des persönlichen Glaubens", der bei Kierkegaard
wenig mit objektiver Wahrheit oder
religiösem Dogma zu tun hatte. Er unterschied drei Sphären der Existenz:
- die Ästhetik, wo ein Mensch für den Augenblick lebt, doch nie ganz erfüllt
werden kann,
- die Ethik, wo ein Mensch ein gutes Leben zu führen versucht,
doch frustriert feststellt, daß er oder sie nicht gut sein kann, und
- die religiöse Sphäre, wo
der einzelne seine Unvollständigkeit bemerkt, bevor er oder sie sich
nicht voll und ganz dem vollkommenen Willen Gottes ausgeliefert und
eingeordnet hat.

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