
Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

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Liberale Theologie und Romantizismus Anfang des 19. Jahrhunderts
Der Anfang des 19. Jahrhunderts brachte eine Fülle neuer Entwicklungen
für das Christentum und die westliche Welt. In Deutschland entstanden
der christliche Romantizismus und die liberale Theologie. In England wurden
ernste Versuche unternommen, Protestantismus, katholische und orthodoxe
Bewegungen wieder zusammen zu bringen. In Dänemark schrieb Soren Kierkegaard
und etablierte den christlichen Existenzialismus. In der gleichen Zeit
blühten evangelikale Gemeinden und Gruppen und brachten weitreichende
Erweckung und Mission hervor, dazu später mehr.
Friedrich Schleiermacher (1768-1834) war der Begründer der
liberalen Theologie. Er versuchte, den christlichen Glauben zugänglich
zu machen für all jene, die gut ausgebildet und von den Denkern der
Aufklärung beeinflußt waren. Das Wort "liberal" beruht auf der Grundüberzeugung
der Bewegung, daß das Individuum das Recht hat, den eigenen Glauben ohne
Diktat einer kirchlichen Authorität zu erlangen und zu definieren. Diese
Idee teilt der Liberalismus mit dem Romantizismus, von dem Schleiermacher
stark beeinflußt war. Gleichzeitig vertrat er einen ausgeprägten
Skeptizismus, welcher den weltlichen Aufklärungsphilosophen eine
Tür zur Theologie öffneten. Schleiermacher hielt die Bibel nicht für
das von Gott inspirierte Wort, seiner Ansicht nach konnte man keiner Sache
sicher sein außer der persönlichen Erfahrung. Gleichzeitig glaubte er
an die Fähigkeit jedes Menschen, Gott als das über die eigene Person
hinausgehende Wesen zu spüren, er sah den Menschen völlig abhängig von
diesem Gott und Sünde als Ergebnis, wann immer ein Mensch nach einer
Unabhängigkeit von IHM strebt.
Für Schleiermacher war der Jesus des neuen Testaments, den der christliche
Glaube als Gott annimmt, eine Fehlinterpretation. Er sah in Jesus einen
einfachen Menschen, der Gottesbewußtsein erlangt hatte.
Als Zeitgenosse Schleiermachers war der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel
(1770-1831) äußerst einflußreich. Er lehrte den Fortschritt des Wissens durch
Widerspruch und Synthese auf höherer Ebene. Für ihn war der frühe christliche
Glaube eine primitive Form des Glaubens, der weiterer Entwicklung und
Verfeinerung bedurfte. Er ermutigte damit die Idee, daß die christliche
Lehre sich im Laufe der Zeit verändert und perfektioniert (fortschreitende
Offenbarung), was sehr wichtig für die liberale Theologie wurde.
Die Theologie Schleiermachers wurde von Theologien wie Ferdinand Baur
(1792-1860) und Albrecht Ritschl (1822-89) weiter entwickelt. Zentrale
Züge der Entwickung ist die Ablehnung einer Authorität der Schrift oder
der Kirche über das Individuum, die starke Stellung der Vernunft, die
alle Mysterien (Geheimnisse) des Glaubens verwirft und ein Skeptizismus
allen übernatürlichen Berichten und Erzählungen gegenüber. Es entstand die
Lehre, der Jesus der Geschichte sei anders als der
Jesus des Glaubens. In jener Zeit wurde ferne die Psychologie
in die systematische Theologie eingeführt, um die Erfahrungen einzelner
Christen mit dem Heiligen zu analysieren. Es wurden verschiedene Versuche
unternommen, die klassische Theologie neu zu interpretieren, um sie mit der
zeitgenössischen Philosophie verträglich zu machen.
Die Überzeugungen liberaler
Theologen verbreiteten sich rasch über Deutschland und führten dazu, daß
nicht wenige Christen traditionelle Glaubensinhalte über Bord warfen.
Wichtige bekannte Meilensteine der liberalen Entwicklungen sind etwa
das "Leben Jesu" von David Friedrich Strauss (1808-74), das 1835 publiziert
wurde, und das Jesus als ethischen Lehrer darstellt. Der französische
Philosoph Joseph Ernest Renan (1823-92) schrieb 1863 ein Buch mit
demselben Titel, das Jesus zu einem provinziellen Prediger machte.
Im Jahr 1906 gipfelten die verschiedenen Versuche einer historischen
Jesus-Darstellung in dem Buch "Die Suche nach dem historischen Jesus"
von Albert Schweizer, der die verschiedenen Theorien zusammenfaßte und
analysierte. Er bemerkte, daß die Sucher nach dem historischen Jesus
in der Regel nur sich selbst in der Geschichte wiedergefunden hatten.
Der deutsche Komponist Felix Mendelsohn (1809-47) war einer einer Reihe
von Künstlern, welcher den christlichen Glauben verband mit einer neuen
Sensitivität für das Gefühl, Intuition und Vorstellungskraft. Das
klare Bewußtsein für die Schönheit der Natur ist eines der zentralen
Momente der romantischen Bewegung. Der Maler Caspar-David Friedrich
(1774-1840) nutzte in seinen Bildern die Schönheit der Natur als einen
Widerhall der Schönheit Gottes. Die Bilder strahlen Transzendenz,
Ehrfurcht und Erhabenheit Gottes in seiner Schöpfung aus.

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