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Evangelium.de > lesen & informieren > Geschichte des Glaubens > Industrielle Revolution 1776-1914 n.Chr. > Kirche in Frankreich um 1789 >


Wie nahm der christliche Glaube seinen Anfang? Was war das auslösende Moment? Wie kam es zu den ersten christlichen Gemeinden? Was haben sie gelehrt und geglaubt? Wie haben sie gelebt? Was ist dann im Laufe von 2000 Jahren aus diesem Glauben geworden? Wie hat er sich verändert? Welche christlichen Kirchen und Gemeinden gibt es heute?

 


Geschichte des Glaubens
  Anfänge: 4-70 n.Chr.
  Untergrundkirche: 70-312 n.Chr.
  Versuchung der Macht: 313-590 n.Chr.
  Bekehrung Europas: 590-1054 n.Chr.
  Kreuzzüge bis Renaissance: 1054-1517 n.Chr.
  Reformation: 1517-1648 n.Chr.
  Aufklärung und Erweckung 1648-1776 n.Chr.
->Industrielle Revolution 1776-1914 n.Chr.
   Amerika zu beginn der industriellen Revolution
 ->Kirche in Frankreich um 1789
   Liberale Theologie und Romantizismus im 19.Jh
   Englische Reformer und Kierkegaard
   Zeit der intensiven Mission im 19. Jh
   Zweite Große Erweckung in Amerika 1795-1830
   Blühende Spiritualität - orthodoxe Kirchen im 19.Jh
   Industrialisierung und Glaube ab 1850
   Soziales, Heilsarmee, YMCA u.v.m 1840-1900
   Weltevangelisation 1860: Livingstone, Taylor
   Weltevangelisation bis 1914: Bibeln, Wachstum, Leiterschaft
   Rom in seiner Blüte 1848-1914
   20. Jahrhundert beginnt: Liberale, Orthodoxe, Fundamentalisten, Pfingstler
  Moderne Gesellschaft 1914 n.Chr. - heute
 

Revolutionsturbulenzen um die Kirche in Frankreich und Europa um 1789 n.Chr.

Mit der Revolution in Frankreich 1789 geriet die katholische Kirche in weitreichende Turbulenzen. Zunächst griffen die Revolutionäre den Reichtum und die Korruption der Kirche scharf an. Doch sie gingen weiter in ihren Vorstellungen über die Kirche, erklärten, daß Priester und Bischöfe von den Laien gewählt werden sollten und begrenzten die Authorität des Papstes über die französische Kirche (woraufhin sie vom Papst verdammt wurden). Doch das war nur der Anfang.

Mit dem Krieg 1792 traten moderate Führer in den Hintergrund und eine radikale Bewegung formierte sich. Die Regierung etablierte eine "konstitutionelle Kirche" die sie fest unter ihrer Leitung hielt, die katholische Kirche wurde unterdrückt. Die kommenden zwei Jahre sind bekannt als Regime des Terrors, die Guillotine wurde zum Symbol jener Zeit und viele Köpfe rollten im ausgehenden 18. Jahrhundert in Frankreich. Das Christentum wurde verbannt und 30.000 Angehörige des Klerus ins Exil getrieben, während man hunderte von ihnen hinrichtete. Jeder, der in irgendeiner Weise des Noblen, Königlichen oder Klerikalen und damit des Gegen-Revolutionären verdächtig war, wurde um einen Kopf kürzer gemacht.

Am 7. Juni 1794 wurde eine offizielle Religion der Vernunft verkündet, die in ihrer Natur deistisch war, an ein höheres Wesen glaubte, dieses aber nicht in dem Gott des Christentums fand. Bilder der Gottheit der Vernunft wurden in den Kirchen aufgehängt, der Klerus bekam kein Geld mehr und ihm wurde das Lehren verboten und die kirchlichen Feiertage wurden durch Feste säkularer Ideale ersetzt.

Doch das Christentum überlebte. Die Säkularisierung war äußerst unpopulär und wurde im Jahr 1795 wieder aufgegeben, als die Radikalen abgesetzt und ein Dekret religiöser Freiheit beschlossen wurde. Im Jahr 1799 machtes sich schließlich ein junges militärisches Genie mit dem Namen Napolen Bonaparte zum Diktator in Frankreich. Napoleon glaubte, daß ein absoluter Herrscher es in einem Land mit Religion einfacher habe. Da allerdings Papst Pius VI (1775-99) keine Kompromisse machen wollte, wurde er ins Gefängnis geworfen, wo er 1799 starb. Napoleon verhandelte eine Abmachung mit Papst Pius VII (1800-1823), nach welcher die Kirche die Revolution anerkannte und den ersten Konsul de facto die Kontrolle über die Kirche in Frankreich gab, der Kirche jedoch einen beträchtlichen Einfluß ließ. Bis 1808 war das Verhältnis Napoleons zur Kirche und Papst Pius jedoch so heruntergekommen, daß der Diktator den Papst wieder gefangen nehmen ließ.

Im Jahr 1814 war Frankreich geschlagen und Pius kehrte triumphierend nach Rom zurück. Napoleon hatte ungewollt das Papsttum gestärkt. Wo immer Napoleon Länder erobert hatte, waren die nationalen Kirchen zerstört und die Klöster und Schulen zerschlagen. Diese suchten nun in Rom Führung und Unterstützung. Während die Päpste des 18. Jahrhunderts sich wie Prinzen gegeben hatten, restaurierte das Leiden von Pius VI und VII die Aura des Heiligen um den Papst und den Vatikan, was zu einer neuen moralischen Authorität des Papstes führte. Es folgte eine große Wiederbelebung des katholischen Glaubens in Ländern wie Frankreich, Belgien und dem Süden Deutschlands. Es gab einen deutlich erhöhten Kirchenbesuch, missionarische Aktivität und Einfluß der Kirche.

Nur um die Rolle der Politik gab es heftige Auseinandersetzungen. Viele Christen sahen sich zur Unterstützung des Liberalismus und der Demokratie bewogen. Die Konservativen in allen Lagern sahen sich jedoch darin bestätigt, daß radikaler Wandel nur zu Blutvergießen und einer Zerstörung des Christentums führen würde. Dieser Konservatismus war am stärksten in der katholischen Kirche. Nach den negativen Erfahrungen mit den Revolutionären sollten die Päpste für über ein Jahrhundert den Konservatismus in vielen europäischen Ländern stützen. Papst Pius VII und seine Nachfolger waren überzeugt, die Kontrolle über die päpstlichen Staaten erhalten zu müssen, um nicht gewalttätigen Despoten ausgesetzt zu sein. So widersetzten sie sich allen Versuchen, Italien in Demokratie wieder zu vereinigen. Diese Verbindung von Thron und Altar sollte in den Revolutionsjahren von 1848 viele, die für Demokratie und Menschenrechte kämpften, von der Kirche und ihrer Hierarchie entfremden.


   

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