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Bild von Alex Röhm

Hier finden sie jeden Monat eine neue Geschichte. Manchmal ist sie erfunden und oft auch erlebt. Manchmal zum Nachdenken, häufig zum Schmunzeln.

 

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Story des Monats März 1998


Antworten

Gerade hatte er eine echte Hürde genommen. Erleichtert atmete er auf, daß er nach 3 Monaten Plagerei endlich die Prüfung für das Vordiplom hinter sich gebracht hatte. Gestern hatte er noch gesagt, daß er am liebsten alles hinschmeißen möchte und die Schnauze voll hätte von dem Wahnsinn. "Macht es einen Sinn mit der letzten Kraft Dinge zu lernen, die kompliziert und nutzlos sind?", fragte er gestern noch seine Schwester am Telefon und sie entgegnete ihm, daß er ihr bitte sagen solle, was überhaupt Sinn macht. "Ja, diese Frage habe ich mir in der letzen Zeit oft gestellt", kam ihm in Erinnerung. Er dachte an gestern morgen: Gerade mit Mühe aus dem Bett gekommen, schleppte er sich an den Schreibtisch. Dieser schien ihn mit den Worten "da bist du ja wieder, du armer Wicht" zu verhöhnen.

Desto größer war heute sein Triumph. Er würde es dem alten Schreibtisch, den er von seinem Vater geerbt hatte, schon zeigen, ihn gründlich abräumen und es sich den ganzen Nachmittag gut gehen lassen.

Der Schreibtisch war nun leer, die Unterlagen abgeheftet und das Gefühl des Triumphs wich einem Gefühl, das auf skurile Art dem leeren Schreibtisch vor ihm glich. Er schaute verloren und suchend umher, sah im Regal eine Bibel und dachte, "das hat mich eigentlich schon immer interessiert und jetzt habe ich ja ausnahmsweise mal Zeit, da hinein zu schauen". Sich selbst belustigend dachte er: "So - dann wollen wir jetzt noch schnell die Probleme über Gott und die Welt lösen."

Seine Erwartungen waren nicht größer als an das gestrige Fernsehprogramm, und als er den Satz "Ich versichere dir: nur wer von Wasser und Geist neu geboren ist kann in Gottes neue Welt kommen" las, war er sich sicher, daß dies nur ein Mensch im Kloster erfunden haben könne - "So wirklichkeitsfremd!". "Der nächste Satz ist ein Allgemeinplatz", sagte er vor sich hin - "Was Menschen zur Welt bringen ist menschlich. Geistliches aber kann nur vom Geist Gottes geboren werden." Er hielt kurz inne und dachte: "Trotzdem interessant, aber ich verstehe das nicht. Mir hat das noch nie jemand erklären können, obwohl meine christlichen Freunde immer davon sprechen." Er las weiter und stieß auf den 8. Vers des 3. Kapitels im Johannesevangelium: "Der Wind weht wo es ihm gefällt. Du hörst ihn nur rauschen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es auch bei denen, die vom Geist geboren werden." "Aha", dachte er, "das ist nicht wirklichkeitsfremd sondern es gibt einfach keine richtige Erklärung dafür". "Das kenne ich aus der Physikklausur", assoziierte er, "denn woher die Kräfte in einem Atom kommen, weiß man auch nicht - und es gibt sie dennoch." Er beschloß in diesem Moment der Sache nachzugehen und sich weiter über den christlichen Glauben zu informieren. Er blieb noch eine Weile vor dem leeren Schreibtisch sitzen und in ihm entstand eine Hoffnung auf weitere Antworten.


Alexander Röhm für das





 

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