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Bild von Alex Röhm

Hier finden sie jeden Monat eine neue Geschichte. Manchmal ist sie erfunden und oft auch erlebt. Manchmal zum Nachdenken, häufig zum Schmunzeln.

 

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Story des Monats Juni 1998


Freiheit

Das grelle, warnende Pfeifen der sich schließenden S-Bahntüren riß ihn aus dem leichten Schlaf, durch den er gehofft hatte, flüchten zu können. In einem leeren Abteil abends um 23 Uhr 30 öffnete er seine Augen und hatte wieder dieses Gefühl, daß ihn schon seit Tagen plagte. Wenn es bloß irgendeine Möglichkeit gäbe, alles ungeschehen zu machen. Obwohl er wußte, daß Geschehenes geschehen und Geschichte nicht mehr veränderbar ist, dachte er immer noch darüber nach. "Vielleicht kann ich es weiter verstecken?", "weiter lächeln und hinter der Fassade innerlich verfaulen?".

Dann stieg die Furcht in ihm auf, entdeckt zu werden, und er schloß verzweifelt die Augen. Zwang, Unfreiheit, Schuldgefühle und Verzweiflung, das ist das Letzte! "Scheiße!", schrie er durch das leere Abteil und erschrak, weil er sich vorher nicht versichert hatte, ob er wirklich alleine war. Vielleicht ist es doch der leichtere Weg alles zuzugeben und seiner Frau zu erzählen, was er getan hatte. Auf jeden Fall mit der anderen Schluß machen – wenigstens versuchen, die Ehe zu retten. Aber dann würde er zwei Menschen tief verletzen und sich selbst als der offenbaren, der er nie hatte sein wollen: Ein egoistisches Schwein! Hilflos saß er da und wußte, daß er noch min 5 Zeit hatte, eine Entscheidung zu treffen, bis der Zug den Bahnhof erreichte. Dort wollte ihn seine Frau am Bahnsteig abholen.

Sie stand am Bahnsteig, lächelte ihm entgegen, gab ihm einen Kuß auf die Wange und sagte: "Schön, daß Du wieder da bist, ich habe Dich vermißt. Stell dir vor unsere Tochter hat angefangen zu laufen." Ihm war als ob sich der Magen umdrehte und mangels Mut stellte er seine Entscheidung, es ihr zu beichten, wieder in Frage. "Ich muß diesen Druck loswerden!" schrie sein Gewissen.

Zuhause angekommen setzten sich beide ins Wohnzimmer. Der Kamin glühte noch ein bißchen. Die Ruhe gab ihm die Möglichkeit tief durchzuatmen, und er wußte, "jetzt oder nie!" "Ich muß dir etwas erzählen - etwas Schlimmes, was besser nicht passiert wäre, …", begann er stotternd. "Ich hatte eine Begegnung mit einer anderen Frau, mit der…" Als sie zu begreifen schien, um was es hier ging, brach sie in Tränen aus und schluchzte laut "Warum?"

Inzwischen war es 5 Uhr morgens. Beide hatten die ganze Nacht über gesprochen. Sie hatte sich inzwischen gefaßt und schweren Herzens entschieden, einen neuen Anfang mit ihm zu versuchen. Er war immer noch nicht wesentlich erleichtert, obwohl sie ihn nicht beschimpft hatte und ihm zuletzt sogar versprochen, daß sie versuchen würde ihm zu vergeben. Die Last lag aber immer noch auf ihm. "Ich will einen neuen Anfang – ohne Schuld – frei von alten Fehlern – Gott! – Hilfe!", schrie er und erinnerte sich an die Sonntagsschule, in die er als Kind gegangen war. Er begann zu beten: "Gott, ich bin schuldig. Jesus, du kannst mir die Freiheit eines neuen Anfangs schenken, bitte vergib meine Schuld!" Und er wurde frei.


Alexander Röhm für das





 

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