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Gottes Probleme ...

Gott hat Probleme mit Israel. In einem ersten Durchgang durch Jeremia 1-3 wollen wir nachfragen, worin diese Probleme bestehen.

Jeremia 1, 16: Gott sagt: ''Und ich will mein Gericht über sie ergehen lassen um all ihrer Bosheit willen, daß sie mich verlassen und anderen Göttern opfern und ihrer Hände Werk anbeten.''

Es ist zuerst die Gottlosigkeit, mit der Gott hier Probleme hat. Zweitens ist es die Tatsache, daß Israel anstelle des wirklichen Gottes geschaffene Mächte und Dinge anbetet und an die Stelle Gottes setzt.

Gottes Verhältnis zu Israel wird in den Bildern einer Liebesbeziehung, einer Ehe, erzählt. So spricht Gott in Jeremia 2,2 von der ''Treue deiner Jugend und der Liebe deiner Brautzeit.'' Und so eifersüchtig wie ein Liebender oder eine Liebende eifert Gott um die Anbetung Israels.

Der Glaube und Unglaube macht sich an ganz konkreten Dingen fest. Zuerst sieht Gott hier den 10ten - also die Abgabe, welche jeder Israelit von seinem Einkommen an die Glaubensgemeinschaft gab. Dieser Zehnte ist ein Indikator für die Gottesbeziehung eines Menschen.

Immer wieder fragt Gott die Hörer: warum habt ihr nicht nach mir gefragt und gesucht? Und: warum folgt ihr anderen Göttern, nicht mir?

Und Gott beginnt, mit Israel zu rechten - also ins Gericht zu gehen. Gott kann nicht anders, als das Unrecht anzusprechen und zu strafen. Das sind ganz handfeste Probleme, die Gott hier mit Israel hat.

Gott vergleicht in Vers 21 (Jeremia 2) das Volk Israel mit einem edlen Weinstock, der zum wilden und schlechten Weinstock geworden ist. Und er spricht davon, wie tiefliegend diese Schwierigkeiten sind. Keine Lauge und Seife kann helfen, alles äußerliche Waschen ist völlig unnütz.

Die Bilder des Textes sind faszinierend und eindrücklich. Wie eine Kamelstute in der Brunstzeit ist Israel anderen Göttern hinterher gelaufen.

Ich frage mich bei solchen Bildern stets: was sind es heute für Götter, denen wir modernen Menschen in ähnlicher Weise anhängen? Ist es unser Vertrauen in die Wissenschaft, das sicher ähnlich zu bewerten ist wie das Vertrauen eines israelitischen Menschen vor fast dreitauesend Jahren in die Kraft von Pferden, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten oder sogar das Vertrauen auf die Hilfe von diversen Göttern und Mächten. Gott wirft in dem Jeremia-Text die Vertrauensfrage auf, und diese Vertrauensfrage berührt auch heute unseren Lebensnerv.

Jeremia 2,31 wirft auch die Frage nach Freiheit und Bindung des Menschen auf. Ist Freiheit von Gott oder Freiheit von allen Bindungen unser Ziel oder Leitbild? Freiheit - dieses moderne und wichtige Thema im vereinten Deutschland und in den USA. Kulturell, privat, wirtschaftlich, theologisch ... überall geht es heute um Freiheit. Doch Gott stellt hier klar, daß ein Leben im Glauben viel mit Bindung zu tun hat - mit einer Bindung, die erst frei macht. Wer diese Bindung löst, gerät in die Abhängigkeit von vielen Mächten. Er löst sich von der Beziehung zu Gott - dies benennt die Bibel mit dem Wort ''Sünde.''

Und Gott sucht Einsicht in die Realität bei seinem Volk Israel. Doch er findet diese Einsicht nicht. In Jeremia 2,35 geht er darauf ein. Einsicht in die Verfehlungen wäre eine Basis, um zu vergeben. Aber ohne Einsicht bleibt Gott nur das Gericht.

Jeremia 3 ist ein einziger intensiver und dringender Apell an das Volk Israel, zu Gott zu kommen und eine klare Linie zu fahren. Ein Einziges ist notwendig: erkenne deine Schuld und kehr um! Gott möchte vergeben und möchte die Liebesbeziehung fortsetzen, die er mit diesem Volk begonnen hatte.

Und auch hier bleibt der biblische Text klar nach vorn gerichtet und hat eine Perspektive, die über den Tag und das Jahr hinausgeht: es wird die Zeit angekündigt, wo die Bundeslade nicht mehr die zentrale Rolle spielen wird. Es wird ein neuer Bund kommen, ein Bund, an dem alle Heiden Anteil haben. Wir Christen leben heute in diesem Bund, den Gott durch das ''Neue Testament'' (=neuer Bund) durch seinen Sohn Jesus Christus begonnen hat.

Bei diesen wunderbaren Perspektive bleibt leider festzuhalten, daß im Verhältnis nur recht wenige Menschen in Israel den Durchbruch schafften. Immer wieder kehrt der Prophet zu den drückenden Problemen zurück - und das ganze Buch Jeremia gibt Zeugnis von dem Ausmaß der Schwierigkeiten.

Wir können bis heute viel lernen von diesen Schwierigkeiten Jeremias, um unsere eigene Welt besser zu verstehen. Das Problem der Gottlosigkeit in einem Land mit vielen Kirchenmitgliedern ist uns nicht fremd. Das Problem der Orientierungslosigkeit in geistlichen Fragen, der Drang nach Freiheit ohne die Bindung an den lebendigen Gott, das Vertrauen zu allem und jedem, nur nicht zu der Macht und Gegenwart Gottes ... all diese Dinge prägen unser Leben und sind zu sehen im Lichte dessen, der uns sagt (Jeremia 3,22): ''Kehrt zurück, ihr von mir fortgelaufenen Kinder, so will ich euch heilen von eurem Ungehorsam.''


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2004-08-13

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