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Geschichte 11 Verlorener Sohn in Imperatriz Betroffen stehen wir vor dem PROMIC-Auffanghaus: Jeff, ein 30 jähriger Amerikaner und ich. Jeff war eine zeitlang in der Szene und kam extra hierher, weil er daran interessiert ist, in Zukunft mit Strassenkindern zu arbeiten. Dem blonden, grossgewachsenen Ami kommen die Tränen und er atmet tief durch. Wir haben den "verlorenen Sohn" gefunden: Etwas verlegen und doch mit einem spitzbübischem Lächeln steht er vor uns, braungebrannt, zerrissenes T-Shirt, verwaschene Jeans und einer Zigarette in der Hand. Seine Schlitzaugen wirken klein, der Ausdruck seines Gesichtes verlebt - auf neue Abenteuer aus. Eine innere Unruhe treibt ihn. Das Geld hat er bereits verprasst. Viele Freunde gingen ihm schon verloren. Einige wenige Kumpel blieben - Strassenjungs in seinem Alter oder jünger. Immer wieder sucht er nach englischen Wörtern und versucht, mit Jeff zu sprechen - schliesslich hat er einige Jahre die Schulbank gedrückt. Er erzählt, wie gut er es bei seinem Vater gehabt habe: Geschäftsinhaber in Goiânia. Und jetzt? Ein miserables Leben ohne Sinn und Ziel. Auf der Strasse leben, überleben. Kein Zuhause. Keine rechte Beschäftigung. Keine echte Liebe. Hasch und Alkohol sind seine Begleiter. Beides treibt er irgendwie auf. Unser Gespräch dreht sich immer wieder um den Vater. Ich frage ihn: "Lucas, warum gehst du nicht zurück zu deinem Vater?" "Unmöglich, ich habe nichts mehr zu offerieren. Mit leeren Händen kann und darf ich nicht zurück - nein, nein, nein!" antwortet der 21jährige mir, schwer atmend und mit traurigem Blick. Wie ein Blitz durchzuckt es mich - solch eine Geschichte kenne ich doch! Und ich beginne ihm vom verlorenen Sohn aus der Bibel zu erzählen. Wie kam er nach Hause? Zerlumpt, dreckig, verlebt, aber mit einer grossen Sehnsucht im Herzen. Und dann die Überraschung: der Vater empfing ihn - trotz allem - mit offenen Armen. Er sah nicht auf die zerrissenen Kleider; er kümmerte sich nicht um all das schwer erkrampfte Geld, das sein Sohn einfach mir nichts, dir nichts ausgegeben hatte; der Gestank machte ihm nichts aus. Er sah nur eines: seinen Sohn, der heimgekehrt war. Als die Beiden sich umarmt haben, was ging wohl in ihnen vor? Der Bursche unterbricht mich und sagt: "Ja, und dann haben sie erst noch ein Fest gemacht. Welch ein Fest!" Erstaunt schaue ich den Burschen an - er kennt also die Story - und sage: "Lucas, mach dasselbe! Geh zurück zu deinem Vater im Himmel - Gott! Und geh zurück zu deinem leiblichen Vater im Süden!" Wann geht der verlorene Sohn in Imperatriz nach Hause? Wann wohl? Monika Bertschi–Boltshauser für das |
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